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Die zunehmenden Argumente für europäische Aktien

Veröffentlicht am 22. Juli 2026

Fahad Hassan
Fahad Hassan

Director, CIO, ASPIM

Wichtige Erkenntnisse

Europäische Aktien waren während eines Großteils der letzten zehn Jahre der ewige Außenseiter in globalen Portfolios. Anleger, die allein aufgrund der Bewertungen auf die Region setzten, wurden immer wieder enttäuscht, da die Gewinne hinter den Erwartungen zurückblieben. Glücklicherweise stützt sich das Argument für europäische Aktien mit Blick auf die zweite Hälfte des Jahres 2026 weder auf Bewertungen noch auf geopolitischen Optimismus. Vielmehr beruht es auf einem sich verbreiternden Aufschwung bei den Gewinnen, der sich noch nicht in der relativen Wertentwicklung widerspiegelt.

Anlegern, die diese Chance nutzen möchten, bieten der WisdomTree Europe Infrastructure UCITS ETF (WBLD) und der WisdomTree Europe Value UCITS ETF (WTVE) ein gezieltes Engagement in Sektoren und Anlagestilen, die unseres Erachtens gut positioniert sind, um von diesen Trends zu profitieren.

Drei Jahre der Stagnation bilden einen starken Basiseffekt

Die Gewinne im MSCI Europe fielen 2025 um 1,5 % zurück1, womit drei Jahre ohne Gewinnwachstum zum Abschluss kamen. Die Ursachen dafür waren hinlänglich bekannt. Der Automobilsektor verzeichnete einen starken Gewinneinbruch und war der maßgebliche Treiber für die Schwäche bei zyklischen Konsumgütern. Der breitere Sektor der zyklischen Konsumgüter litt unter der schwachen Verbraucherstimmung und dem Margendruck.

Folglich wachsen die Gewinne im Jahr 2026 von einer ungewöhnlich niedrigen Basis aus, und die Konsensprognosen eines Wachstums des Gewinns je Aktie von etwa 15 % beruhen nicht auf Optimismus. Lässt man zyklische Konsumgüter außer Acht, beläuft sich das zugrunde liegende Wachstum des Gewinns je Aktie in Europa im Jahresvergleich immer noch auf ca. 10 %. Diese Zahlen stehen für eine breit angelegte Erholung über den Großteil des Index hinweg, die bei nur moderaten Umsatzannahmen eintritt. Das Umsatzwachstum in Europa wird für 2026 mit rund 5 % beziffert, sodass die Margenausweitung einen erheblichen zusätzlichen Beitrag leistet.2

Die Gewinnlücke zu den USA

Das Gewinnwachstum in den USA, das von einer außergewöhnlichen Entwicklung bei Mega-Cap-Tech-Titeln angeheizt wird, könnte im Jahresvergleich seinen Höhepunkt erreichen. Die Glorreichen Sieben3 verzeichneten im ersten Quartal 2026 ein kombiniertes Gewinnwachstum von rund 63 %.4 Ein erheblicher Teil dieses Sprungs ist jedoch auf hohe außerordentliche Gewinne bei Alphabet, Meta und Amazon zurückzuführen. Von hier an, über die zweite Jahreshälfte 2026 bis hin ins Jahr 2027, werden die Vergleiche schwieriger.

Unterdessen zieht das Gewinnwachstum in Europa an. Während die Konsensprognose für das Gewinnwachstum pro Aktie im MSCI Europe für 2026 bei etwa 15 % liegt, wird für das dritte und vierte Quartal ein Gewinnwachstum von fast 20 % erwartet.5 Ein schrumpfendes transatlantisches Gefälle beim Gewinnwachstum, das eher auf die Steigerung in Europa als auf eine Schwäche in den USA zurückzuführen ist, lenkt globale Allokationen erfahrungsgemäß in Richtung Europa.

Breite ist der unterschätzte Faktor

Das vielleicht attraktivste Merkmal der aktuellen Erholung der Gewinne in Europa ist ihre Breite. In früheren Zyklen hingen Aufschwünge stark von einem oder zwei Sektoren ab. Die Erholung im Jahr 2026 sieht anders aus. Der Finanzsektor trägt etwa 3,7 Prozentpunkte zum Gesamtwachstum des Gewinns je Aktie in Europa bei, der Energiesektor weitere 3,5 Punkte. Auch Informationstechnologie, Industrie, Rohstoffe und Kommunikationsdienste leisten einen positiven Beitrag.6

Vor allem haben sich die Schätzungen für die Entwicklung des Gewinns je Aktie in Europa für 2026 seit dem Ausbruch des Konflikts zwischen dem Iran und den USA im März 2026 nach oben verschoben – angetrieben durch Aufwärtskorrekturen bei Energie- und Technologiewerten.

Diese Breite hat praktische Auswirkungen auf den Portfolioaufbau. Investitionsgüter, Banken, Bergbau, Halbleiter und Konsumgüter weisen die stärkste positive Korrelation zum Produktionszyklus auf. Sollten sich die europäischen Einkaufsmanagerindizes (PMI) weiter erholen, könnten diese Sektoren zu den Hauptnutznießern gehören.

Deutschlands fiskalischer Impuls

Ein oft unterschätzter Faktor bei der Erholung der Gewinne in Europa bezieht sich auf das Ausmaß und den Zeitplan der deutschen Konjunkturmaßnahmen. Bis April 2026 waren von den für 2026 für Infrastrukturausgaben vorgesehenen 40 Milliarden Euro lediglich 11 Milliarden Euro ausgezahlt worden.7 Diese Diskrepanz war eher auf Planungsverzögerungen und bürokratische Trägheit zurückzuführen als auf eine Abkehr von der Zusage. Der 500 Milliarden Euro schwere Fonds ist real.8

Die Haushaltslage Deutschlands wandelt sich entscheidend. Das gesamtstaatliche Defizit dürfte sich von etwa 2,7 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2025 auf 3,7 % im Jahr 2026 und über 4 % im Jahr 2027 ausweiten, da die Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur steigen. Das entspricht einer fiskalischen Lockerung von rund 1,5 % des BIP über zwei Jahre. Der Überwachungsbericht des Finanzministeriums schätzt, dass der Fonds bereits etwa 0,5 Prozentpunkte zum BIP beigetragen hat, wobei der Großteil der zugesagten Mittel noch nicht ausgezahlt wurde. Angesichts der Konsensprognosen für das BIP-Wachstum in Deutschland im Bereich von 0,6 % bis 0,9 % für 2026 (Bundesbank, IFO, Europäische Kommission) kann bereits eine moderate Beschleunigung der Auszahlungen spürbare Auswirkungen haben. Für Unternehmen aus den Bereichen Investitionsgüter, Baustoffe und infrastrukturbezogene Branchen könnte der Gewinnschub durch die in den Jahren 2027 und 2028 ansteigenden Ausgaben erheblich sein.9

Für Anleger, die ein strukturiertes Engagement in der Erholung der Gewinne in Europa anstreben, sind zwei WisdomTree-ETFs besonders hervorzuheben, da sie das Thema auf natürliche Weise zum Ausdruck bringen.

WisdomTree Europe Infrastructure UCITS ETF (WBLD)

Infrastruktur profitiert unmittelbar von Deutschlands zwar verspäteter, aber nun an Fahrt gewinnender fiskalischer Stimulierung, dem europaweiten Bekenntnis zur Energiewende sowie dem langfristigen Investitionszyklus in Rechenzentren, Stromnetze und Verkehrsnetze. Der WBLD bietet ein Engagement in europäischen Infrastrukturunternehmen sowie in Titeln aus den Bereichen Investitionsgüter, Baustoffe und elektrische Ausrüstung, die die stärkste positive Korrelation zur Erholung der PMI und zu den staatlichen Investitionsausgaben aufweisen. Da sich die deutschen Auszahlungen verstärken und die Infrastrukturinvestitionen in Europa insgesamt zunehmen, könnte dieses Marktsegment von Gewinnrevisionen nach oben profitieren.

WisdomTree Europe Value UCITS ETF (WTVE)

Der WTVE bietet einen systematischen Zugang zum europäischen Value-Faktor in einer Phase der makroökonomischen Erholung. Unternehmensumfragen (PMI) zeigen erste Anzeichen eines Aufschwungs, die Kreditbedingungen sind solide, und sinkende Energiepreise werden die Kaufkraft der privaten Haushalte stärken. Banken, Finanzwerte und wenig kapitalintensive Industriewerte mit Preissetzungsmacht sind in einer auf Value ausgerichteten europäischen Strategie gut vertreten. Diese Sektoren könnten gut aufgestellt sein, um von einer erwartungsgemäßen Erholung der Gewinne zu profitieren.

Wo könnte es Enttäuschungen geben?

Die Risiken sind real und sollten klar benannt werden. Eine erneute Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und den USA würde zu einer Neubewertung der Energiepreise führen, die Stimmungsindikatoren belasten und wahrscheinlich die Erholung der PMI zunichte machen, auf der ein Großteil der zyklischen Gewinnprognosen basiert. Da europäische Unternehmen einen großen Teil ihrer Erlöse im Ausland erzielen, reagiert der Ausblick empfindlich auf eine Verschlechterung des Weltwirtschaftswachstums. Der Automobilsektor steht trotz seiner willkommenen Rolle als Treiber des Basiseffekts im Jahr 2026 vor strukturellen Herausforderungen durch den Übergang zu Elektrofahrzeugen (EV), die sich nicht schnell lösen lassen. Und obwohl das finanzpolitische Bekenntnis Deutschlands ernst gemeint ist, haben mehrere unabhängige Forschungsinstitute Bedenken geäußert, dass ein Teil der Ausgaben des Fonds bestehende Haushaltsposten ersetzt, anstatt neue Nettoinvestitionen zu finanzieren.

Fazit

Für Anleger, die über kurzfristige Marktschwankungen hinausblicken, erscheint das Bild der Gewinne in Europa klarer und breiter abgestützt als irgendwann in den letzten drei Jahren. Ein sich aufhellendes makroökonomisches Umfeld hat in Verbindung mit der operativen Hebelwirkung, dem zyklischen Engagement und den Bewertungen vieler europäischer Unternehmen das Interesse der Anleger an der Region wiederbelebt. Der WBLD und der WTVE bieten ein Engagement in Unternehmen, denen Themen wie die deutsche Fiskalpolitik bzw. eine Verbesserung des globalen Wirtschaftswachstums zugutekommen könnten.

1 Bloomberg Finance L.P and MSCI, 15. Juli 2026.
2 Bloomberg Finance L.P and MSCI, 15. Juli 2026.
3 Die Glorreichen Sieben bezeichnet eine Gruppe von Mega-Cap-Aktien: Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon.com, Meta Platforms, Tesla und Nvidia.
4 FactSet Insight, 21. Mai 2026.
5 Bloomberg Finance L.P and MSCI, 15. Juli 2026.
6 JPM Global Market Strategy, 29. Juni 2026.
7 Bloomberg Finance L.P, 1 Juni 2026.
8 Wirtschaftsprognose für Deutschland, Europäische Kommission, 21. Mai 2026.
9 Wie vorstehend.

Über den Autor

Fahad Hassan
Fahad Hassan

Director, CIO, ASPIM

Fahad ist ein erfahrener Investmentexperte mit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Management von Aktien- und Multi-Asset-Portfolios. Als CIO verantwortet er derzeit Kundenvermögen in Höhe von 1,3 Milliarden Pfund Sterling bei ASPIM.

Zuvor war er in leitenden Positionen als Fondsmanager bei Unternehmen tätig, darunter Legal & General Investment Management.

Fahad hat einen Bachelorabschluss in International Securities, Investment and Banking von der Henley Business School. Darüber hinaus ist er CFA Charterholder.

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