WDEF LN
WisdomTree Europe Defence UCITS ETF - EUR Acc

Veröffentlicht am 23. Juli 2025
Macro Strategist, Model Portfolios
Drohnen und Abschreckung
Drohnen haben ihren Wert von der Ukraine bis zum Nahen Osten bewiesen, wo koordinierte UAV-Schwärme zum Einsatz gekommen sind. Kleine, intelligente Fluggeräte können Ziele erkennen, Verteidigungssysteme überwältigen und sich nahtlos mit Boden- und Lufteinheiten verbinden – Kompetenzen, die früher den Arsenalen der Supermächte vorbehalten waren. Für Europa, das beobachten konnte, wie improvisierte Drohnentaktiken den Vormarsch der Panzer in der Ukraine aufhielten, sind Investitionen in heimische UAV-Technologie (Unmanned Aerial Vehicles, unbemannte Luftfahrzeuge) keine Option, sondern zwingend erforderlich und vergleichsweise günstig. Vor diesem Hintergrund heben sich zwei Unternehmen – Saab (7,83 %) und Leonardo (11,12 %), beides Positionen im WisdomTree Europe Defence UCITS ETF (WDEF)1 – als erfolgreiche Akteure der Drohnenentwicklung in Europa ab, jedes auf seine Weise.
Saab schwärmt voraus
Saab AB ist seit Langem ein Synonym für schwedische Hightech-Verteidigung – von Gripen-Kampfjets bis hin zu hochentwickelten Radargeräten. Jetzt bringt es diese Erfahrung in unbemannte Flugsysteme ein. Anstatt eine große Anzahl kleiner Drohnen zu fertigen, verfolgt Saab den Ansatz, intelligentere, autonomere und besser integrierte Drohnen zu entwickeln. Ein unlängst erreichter Meilenstein unterstreicht dies: Anfang 2025 stellten die schwedischen Streitkräfte ein von Saab entwickeltes Drohnenschwarm-Programm vor, mit dem ein einzelner Bediener bis zu 100 UAVs gleichzeitig steuern kann. In Versuchen, die während Übungen in der Arktis geplant sind, sollen sich diese Schwärme autonom an Missionen anpassen, die von der Aufklärung bis zu Sprengladungen in komplexen Umgebungen reichen.
Abbildung 1: Die F&E-Welle von Saab: Investitionen in Verteidigungskapazitäten der nächsten Generation

Quelle: Saab: Kapitalmarktpräsentation vom 28. Mai 2025. Prognosen sind kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und alle Anlagen sind mit Risiken und Ungewissheiten verbunden.
Leonardo: Mit Partnerschaften und Schlagkraft die Zukunft gestalten
Die Leonardo S.p.A. geht am sonnigen Himmel Italiens einen breiteren Weg zur Marktführerschaft bei Drohnen und nutzt dazu ihr umfangreiches Produktportfolio und ihre paneuropäischen Beziehungen. Als eines der größten europäischen Luft- und Raumfahrt- und Verteidigungsunternehmen hat Leonardo seine Hände in allen Bereichen: von Hubschraubern bis zur Cybersicherheit. Im Bereich der UAVs bedeutet das, sowohl eigene Drohnen zu entwickeln als auch mit Partnern zusammenzuarbeiten, um Kompetenzlücken schnell zu schließen. Diese zweigleisige Strategie zeigt sich in zwei wichtigen Schritten: Leonardos Einführung der neuen bewaffneten Drohne Falco Astore und ein wegweisendes Joint Venture mit dem bekannten türkischen Drohnenhersteller Baykar.
Erstens, die eigenen Bestrebungen. Der Astore (italienisch für „Habicht“) ist Leonardos neuestes MALE-UAV (Medium Altitude Long Endurance: mittlere Einsatzhöhe und lange Missionszeiten) – im Grunde eine verstärkte, bewaffnete Version des früheren Falco-EVO. Mit einem maximalen Startgewicht von 650 kg, einer Flugdauer von 16 Stunden und neu hinzugefügten Unterflügelpylonen kann der Astore rund 70 kg Fracht transportieren. Der Astore verschafft Italien ein gewisses Maß an Eigenständigkeit im Bereich der unbemannten Kampffähigkeit. Das zeigt, wie die europäischen Staaten auf ihre heimische Industrie setzen, um die Bereitschaft jetzt zu erhöhen, anstatt jahrelang auf gesamteuropäische Projekte zu warten. Es ist eine kleine Erinnerung daran, dass Europas Streben nach strategischer Autonomie sich auch darauf erstreckt, eigene „Augen am Himmel“ zu haben. Die Falco-Reihe von Leonardo, die als unbewaffnete Überwachungsdrohnen begann, hat sich nun zu einem UAS-Kampfsystem (Unmanned Aircraft System, unbemanntes Luftfahrtsystem) entwickelt – ein Anpassungsprozess, der den Wandel Europas von der Friedenssicherung zur Verteidigung widerspiegelt.
Abbildung 2: Joint Venture von Leonardo und Baykar soll europäische UAV-Kompetenzen fördern

Quelle: Leonardo S.p.A.: Aktualisierter Industrieplan.
Eine neue Ära der Verteidigung Europas: Narrativ wie Zahlen
Es wird oft gesagt, dass Not erfinderisch macht. Die derzeitige Notwendigkeit Europas, seine Verteidigung angesichts des Kriegs vor der eigenen Haustür zu stärken, löst eine neue Welle der Drohneninnovation aus, bei der Saab und Leonardo eine Vorreiterrolle spielen. Die beiden Unternehmen bieten einen faszinierenden Kontrast in einem komplementären Ansatz. Saab, das aus einer ehemals bündnisfreien und heute zur NATO gehörenden Nation von bescheidener Größe stammt, spielt seine Stärken aus, indem es seine Systeme intelligenter und nicht größer gestaltet. Sein Narrativ ist das eines qualitativen Vorsprungs: ein Schwarm, der sich selbst umleiten kann, eine Drohne, die wie der Teamkollege eines Piloten denken kann, ein Netzwerk von Sensoren, das einen viel größeren Feind verwirren kann. Leonardo hingegen stammt aus einem der größten europäischen Verteidigungshaushalte und verfolgt eine Strategie von Größe und Anwendungsbreite: Durch eine Mischung aus eigener Entwicklung und strategischen Partnerschaften wird jedes Marktsegment abgedeckt und sichergestellt, dass Europa Zugang zum gesamten Spektrum unbemannter Technologie hat.
Aus geopolitischer Sicht fließen diese Fortschritte in die umfassendere strategische Autonomie Europas ein. Drohnen sind Augen und Ohren, aber sie sind auch zunehmend Schilde und Speere. Ein Europa, das mit eigenen hochwertigen Drohnen ausgestattet ist, kann seine Grenzen besser überwachen, Angriffe abschrecken und im Bedarfsfall unabhängig handeln. Sowohl Saab als auch Leonardo gehören zu den Kernbeständen des WisdomTree Europe Defence ETF, da die Konvergenz von makroökonomischen (Verteidigungshaushalte, -politik) und mikroökonomischen Faktoren (Unternehmensinnovationen und -gewinne) überzeugende Anlageargumente darstellen.
Noch vor einigen Jahren galten europäische Verteidigungsunternehmen oft als schwerfällige, auf langsame Beschaffungszyklen angewiesene Value-Plays. Das hat sich inzwischen geändert. Heute stehen sie für Dringlichkeit, Wachstum und technologisches Vorankommen. Drohnen sind ein wichtiger Bestandteil der Story des europäischen Verteidigungssektors. In einer zunehmend komplexen Welt reagiert die europäische Verteidigungsindustrie nicht nur auf den Wandel, sondern treibt ihn voran – eine Drohne nach der anderen.
Die Lücke schließen
Anleger sind angesichts des Höhenflugs europäischer Rüstungsaktien nervös geworden. Dennoch ist zu erwähnen, dass sie nach wie vor hinter ihren US-Pendants zurückbleiben – ein seit 1999 anhaltender Trend. Die historische Wertentwicklung zeigt, dass europäische Rüstungsaktien noch viel Spielraum haben, um zu ihren US-Pendants aufzuschließen.
Abbildung 3: Historische Performance von Indizes für Luft- und Raumfahrt und Verteidigung – USA vs. Europa

Obwohl europäische Rüstungsunternehmen rekordverdächtige Auftragsbestände, mehrjährige staatliche Investitionszusagen und wachsende Marktanteile verzeichnen, sind ihre Bewertungsmultiplikatoren nach wie vor niedriger als die in den USA. Gegenüber US-Aktien für Luft- und Raumfahrt und Verteidigung, die mit höheren historischen Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV, 58,2) gehandelt werden, notieren europäische Luft- und Raumfahrt- und Verteidigungswerte immer noch mit niedrigeren KGV (46,6) und bieten vergleichsweise höhere Qualitätskennzahlen wie Eigenkapitalrendite und Vermögensrendite (siehe unten).
Abbildung 4: Vergleich der Fundamentaldaten

Quelle: Bloomberg, WisdomTree, Stand: 10. Juli 2025. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Noch vor einigen Jahren galten europäische Verteidigungsunternehmen oft als schwerfällige, auf langsame Beschaffungszyklen angewiesene Value-Plays. Das hat sich inzwischen geändert. Heute stehen sie für Dringlichkeit, Wachstum und technologisches Vorankommen. Drohnen sind ein wichtiger Bestandteil der Story des europäischen Verteidigungssektors. In einer zunehmend komplexen Welt reagiert die europäische Verteidigungsindustrie nicht nur auf den Wandel, sondern treibt ihn voran – eine Drohne nach der anderen.
1Bestände im WisdomTree Europe Defence UCITS ETF mit Stand 11. Juli 2025

Macro Strategist, Model Portfolios
Sam Rines ist Macro Strategist, Model Portfolios bei WisdomTree und erweitert die Kompetenzen des Unternehmens im Bereich des maßgeschneiderten Modellportfoliomanagements. Vor WisdomTree war Samuel Rines Managing Director bei CORBU, einem Research-Unternehmen, mit dem wir eine Partnerschaft zur Bereitstellung von Modellportfolios aufgebaut haben. Samuel Rines ist ein globaler Makroexperte, der sich auf die Auswirkungen von Politik und Richtlinien auf die Kapitalanlage konzentriert. Seine PolyMacro-Research wurde von großen Family Offices, institutionellen Anlegern und den Medien aufmerksam verfolgt. Bevor er zu CORBU kam, war Samuel Rines Chief Economist und Investment Strategist bei Avalon Advisors. Vor Avalon war er Portfolio Manager bei Chilton Capital Management, wo er die Chilton ESG Equity Strategy und ein Long/Short-Technologieportfolio auflegte. Samuel Rines begann seine Karriere als anlagenübergreifender Analyst für einen kleinen Hedgefonds. Er ist der Autor des Buchs „After Normal: Making Sense of the Global Economy“.

Director, Macroeconomic Research, WisdomTree Europe
@AneekaGuptaWTAneeka Gupta ist Director im europäischen Researchteam von WisdomTree und konzentriert sich auf Aktien und Rohstoffe. Sie verfügt über 20 Jahre Erfahrung in unterschiedlichen Anlageklassen und schreibt regelmäßig Branchenkommentare in Finanzmedien. In ihrer derzeitigen Position ist sie für die Durchführung von Analysen für alle internen Aktien-, Rohstoff- und Makro-Publikationen verantwortlich und unterstützt das Vertriebsteam bei Kundenanfragen zu Produkten und Märkten. Aneeka Gupta hat einen Master-Abschluss in Mathematik von der Oxford University und einen Bachelor-Abschluss in Mathematik von der University of Delhi in Indien. Außerdem ist sie CFA-Charterholder.