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Krypto-Ausblick: Die Nutzung könnte den nächsten Zyklus prägen

Veröffentlicht am 21. September 2026

Dovile Silenskyte
Dovile Silenskyte

Director, Digital Assets Research

Wichtige Erkenntnisse

Das erste Halbjahr 2026 hat gezeigt, dass die Märkte für digitale Assets nach wie vor stark zyklisch geprägt sind. Was diesmal anders erscheint, sind die Entwicklungen hinter den Kulissen.

Die Preise sind gegenüber ihren Höchstständen von 2025 stark gefallen, doch die These von der strukturellen Akzeptanz gewinnt weiter an Gewicht.

  • Die Regulierung ist klarer geworden.
  • Die Beteiligung institutioneller Anleger hat sich verstärkt.
  • Die Akzeptanz in der Realwirtschaft wächst weiter.

Die Preise haben nachgegeben, doch die Fundamentaldaten haben sich weiter verbessert. Diese Divergenz könnte sich als eines der wichtigsten Merkmale des aktuellen Zyklus erweisen.

Noch wichtiger ist allerdings, dass sich die Art der Nutzung verändert. In früheren Zyklen dominierten Anleger, die digitale Assets kauften. Zunehmend nutzen auch Finanzinstitute Blockchain-Infrastruktur, um Geld zu transferieren, Vermögenswerte auszugeben und Finanzdienstleistungen zu erbringen.

Von Narrativen zu messbarer wirtschaftlicher Aktivität

Die frühen Anlageargumente für Krypto basierten größtenteils auf ambitionierten Narrativen.

  • Bitcoin strebte danach, digitales Gold zu werden.
  • Die Blockchain versprach, den Zahlungsverkehr zu revolutionieren.
  • Die Tokenisierung zielte darauf ab, die Kapitalmärkte zu modernisieren.
  • Das dezentrale Finanzwesen strebte danach, Finanzdienstleistungen ohne traditionelle Vermittler neu aufzubauen.

Auch wenn sich diese Ideen nicht im gleichen Tempo entwickelt haben, schlagen sich einige davon zunehmend in messbarer wirtschaftlicher Aktivität nieder.

Die Frage dreht sich daher weniger darum, ob digitale Assets in das Finanzsystem gehören, sondern vielmehr darum, wie viel Finanzaktivität letztendlich auf der Blockchain stattfindet.

Abbildung 1: Blockchain-Technologie zielt auf einige der weltweit größten Finanzmärkte ab

Quelle: WisdomTree, newhedge. In Bio. USD 17. Juli 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.

Das bedeutet nicht, dass die Blockchain-Technologie diese Märkte vollständig erobern wird. Das wird mit ziemlicher Sicherheit nicht geschehen.

Vielmehr verdeutlicht der Vergleich das Ausmaß der Chance. Selbst eine moderate Durchdringung von Zahlungsverkehr, Finanzinfrastruktur, Kapitalmärkten und Reservevermögen könnte ausgehend vom heutigen Stand ein beträchtliches langfristiges Wachstum ermöglichen.

Vor allem ist diese Durchdringung zunehmend messbar.

  • Stablecoins entwickeln sich zu einem breiteren Abwicklungskanal und verbinden öffentliche Blockchains immer häufiger mit traditionellen Zahlungsnetzwerken.
  • Tokenisierte Finanzanlagen nehmen zu, da Institutionen damit experimentieren, Geldmarktinstrumente, Staatsanleihen und andere Wertpapiere in die Blockchain einzubinden.
  • Dezentrale Anwendungen verarbeiten ein beträchtliches Volumen und generieren signifikante Gebühren.

Die ursprünglichen Narrative der Branche lassen sich allmählich in Zahlen fassen.

Das verändert möglicherweise den Charakter des Anlagearguments. Anlageprodukte schaffen Nachfrage nach digitalen Assets. Die Finanzinfrastruktur sorgt für wiederkehrende wirtschaftliche Aktivität.

Regulierung als Katalysator für die Akzeptanz

Während eines Großteils der Krypto-Geschichte war die Regulierung eines der größten Hindernisse für die Branche. Banken, Vermögensverwalter und andere Institutionen konnten das Potenzial der Blockchain-Technologie zwar erkennen, zögerten jedoch, ohne klarere Regeln größere Kapitalinvestitionen zu tätigen.

Diese Einschränkung lockert sich nun allmählich.

In den großen Finanzzentren haben die politischen Entscheidungsträger die Debatte darüber, ob digitale Assets reguliert werden sollten, hinter sich gelassen. Der Schwerpunkt verlagert sich verstärkt auf den Aufbau der regulatorischen Strukturen, die für ihre Integration in das reguläre Finanzsystem erforderlich sind.

Abbildung 2: Globale Regulierung ebnet den Weg für die Nutzung durch institutionelle Anleger

Datum

Rechtsordnung

Meilenstein

Warum das wichtig ist

Juli 2025

USA

Der GENIUS Act wurde unterzeichnet

Damit wurde der erste umfassende bundesweite Rechtsrahmen für Zahlungs-Stablecoins geschaffen

September 2025

USA

Die SEC verabschiedet allgemeine Zulassungsstandards für börsengehandelte Krypto-Produkte (ETPs)

Vereinfachtes Genehmigungsverfahren für physisch besicherte Krypto-ETPs, wodurch regulatorische Hindernisse abgebaut werden

Februar 2026

Luxemburg

Die CSSF gestattet OGAW-Fonds, bis zu 10 % indirekt in Krypto-Assets zu investieren

Der Schritt eröffnet Europas führender Fondsstruktur für Privatanleger den Zugang zu Krypto

Juni 2026

UK

Prüfung einer Allokation von bis zu 10 % in Krypto-ETPs innerhalb zugelassener Investmentfonds

Würde den Zugang von institutionellen Anlegern und Vermögensverwaltern zu Krypto erweitern

Juli 2026

EU

MiCA vollständig umgesetzt

Schuf einen einheitlichen Regulierungsrahmen für Krypto in allen EU-Mitgliedstaaten

Quelle: WisdomTree. Juli 2026. SEC = Securities and Exchange Commission (US-Börsenaufsichtsbehörde). CSSF = Commission de Surveillance du Secteur Financier (Finanzaufsichtsbehörde in Luxemburg). OGAW = Organismen für gemeinsame Anlagen in übertragbaren Wertpapieren. MiCA = Markets in Crypto-Assets (EU-Rahmen für Krypto-Anlagen).

Die Bedeutung geht weit über die Vereinfachung des Kaufs von Krypto hinaus.

Eine klarere Regulierung gibt traditionellen Finanzinstituten mehr Vertrauen, Produkte und Dienstleistungen auf Basis der Blockchain-Infrastruktur zu entwickeln. Das ist wichtig, da die nächste Phase der Akzeptanz möglicherweise nicht nur dadurch vorangetrieben wird, dass Anleger Kapitalallokationen in digitalen Assets vornehmen, sondern auch dadurch, dass Finanzinstitute öffentliche Blockchains für den Transfer von Geld und Vermögenswerten nutzen.

In diesem Sinne wandelt sich die Regulierung von einem vorrangigen Risikofaktor zu einem Wegbereiter für die Akzeptanz.

Institutionelle Akzeptanz verlagert sich vom Besitz hin zur Infrastruktur

Der vielleicht deutlichste Beweis dafür, dass digitale Assets in eine neue Phase eingetreten sind, ist die Art der Teilnehmer und deren Aktivitäten.

Bitcoin veranschaulicht die erste Stufe der Institutionalisierung. Börsengehandelte Produkte (ETPs), börsennotierte Unternehmen, Regierungen, Privatunternehmen und dezentrales Finanzwesen machen zusammen fast ein Fünftel des maximalen Bitcoin-Angebots von 21 Millionen aus.1

Heute geht die Beteiligung institutioneller Anleger zunehmend über den bloßen Besitz von Bitcoin hinaus.

  • Finanzinstitute geben tokenisierte Vermögenswerte aus.
  • Zahlungsdienstleister integrieren die Abwicklung mit Stablecoins in bestehende Netzwerke.
  • Verwahrstellen bauen Dienstleistungen für digitale Assets auf.
  • Investmentbanken experimentieren mit On-Chain-Kapitalmärkten.

Das stellt eine wichtige Weiterentwicklung dar.

Frühere Zyklen wurden vorwiegend durch die Akzeptanz von Vermögenswerten angetrieben: Immer mehr Anleger kauften Krypto.

Der sich abzeichnende Zyklus umfasst verstärkt die Nutzung von Infrastruktur: Unternehmen, die Blockchain-Technologie einsetzen, um Finanzprodukte und -dienstleistungen anzubieten.

Diese Unterscheidung ist äußerst wichtig. Die Investitionsnachfrage kann stark zyklisch und von der Marktstimmung abhängig sein. Die Nutzung von Infrastruktur birgt das Potenzial, wiederkehrende Wirtschaftstätigkeit zu schaffen, da sie unmittelbarer mit dem kommerziellen Nutzen verbunden ist.

Solana hebt sich unter den Smart-Contract-Plattformen ab

Während Bitcoin seinen Wert in erster Linie aus der monetären Knappheit bezieht, hängt das Anlagepotenzial von Solana direkter mit der wirtschaftlichen Aktivität im Netzwerk zusammen.

Es bietet daher eine andere Art von Engagement: die Partizipation am Wachstum der Blockchain-basierten Finanzaktivitäten.

Mehrere strukturelle Merkmale untermauern diese Position. Solana vereint hohen Durchsatz, niedrige Transaktionskosten und schnelle Abwicklung, wodurch sich das Netzwerk besonders gut für Zahlungsverkehr, dezentrales Finanzwesen und tokenisierte Vermögenswerte eignet.

Abbildung 3: Solana ist heute die führende Smart-Contract-Plattform für den On-Chain-Handel

Quelle: DefiLlama. 21. Juli 2026. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.

Auch das institutionelle Engagement nimmt zu.

Zahlungsanbieter wie Visa und Stripe haben Solana in Stablecoin-Initiativen integriert, während Finanzinstitute tokenisierte Produkte auf dem Netzwerk geprüft haben. Die Emission realer Vermögenswerte, die Stablecoin-Guthaben und die Entwickleraktivität haben trotz schwächerer Token-Preise weiter zugenommen.

Diese Divergenz ist von Bedeutung. Wenn die Netzwerkaktivität auch in Phasen schwächerer Token-Preise weiter zunehmen kann, ist das ein Beleg dafür, dass die Nutzung immer weniger von spekulativen Marktbedingungen abhängt.

Die Nutzung könnte den nächsten Zyklus prägen

Die Marktstimmung, die Liquidität und die makroökonomischen Rahmenbedingungen können die Renditen auf kürzere Sicht prägen, wie das vergangene Jahr gezeigt hat. Doch hinter dieser Volatilität schreitet die strukturelle Akzeptanz digitaler Assets weiter voran.

Die entscheidende Veränderung besteht nicht einfach darin, dass immer mehr Anleger digitale Assets besitzen. Vielmehr basiert ein wachsender Teil von Finanzaktivitäten auf Blockchain-Infrastruktur.

Dieser Unterschied spielt eine große Rolle. Die Investitionsnachfrage kann je nach Marktstimmung steigen und fallen. Eine durch Zahlungsverkehr, Tokenisierung und Finanzinfrastruktur getriebene Akzeptanz besitzt das Potenzial, eine beständigere wirtschaftliche Aktivität zu schaffen.

Für Anleger mit einem strategischen Allokationshorizont verlagert sich die Debatte somit von der Frage, ob Krypto einen weiteren Spekulationszyklus auslösen kann, hin zu der Frage, ob die zunehmende Verbreitung eine nachhaltigere Wertschöpfung unterstützen kann.

Wir glauben, dass das möglich ist. Die Akzeptanz gewinnt als grundlegender Faktor zunehmend an Bedeutung.

Digitale Assets unterliegen weiterhin einer hohen Volatilität, und Anleger können einen Teil oder die gesamte Anlage verlieren. Eine stärkere Nutzung der Blockchain schlägt sich nicht zwangsläufig in höheren Token-Preisen oder Anlagerenditen nieder. Netzwerke konkurrieren um Nutzer, Entwickler, Liquidität und Wirtschaftstätigkeit, und die heute führenden Plattformen könnten Marktanteile verlieren, wenn sich Technologien und Marktpräferenzen weiterentwickeln. Auch die regulatorischen Rahmenbedingungen befinden sich im Wandel und können die Nutzung, den Vertrieb oder den Zugang zu bestimmten digitalen Assets und Dienstleistungen einschränken. Smart-Contract-Plattformen wie Solana sind darüber hinaus technologischen, operativen, cybersicherheitsbezogenen und netzwerkspezifischen Risiken ausgesetzt. Daher sollte das Wachstum bei Stablecoins, Tokenisierung oder On-Chain-Aktivität nicht als Garantie für die zukünftige Anlageperformance angesehen werden.

1 Source: WisdomTree, Bitcoin Treasuries. 15 July 2026.

Über den Autor

Dovile Silenskyte
Dovile Silenskyte

Director, Digital Assets Research

Dovile Silenskyte is a director of digital assets research at WisdomTree. Before joining WisdomTree in May 2024, Dovile worked as an index equity product strategist at BlackRock. Currently, she is responsible for conducting analyses for in-house digital assets publications and assisting the sales team with client queries about products and markets. Dovile holds an MSc in Finance from Texas A&M University – Commerce, and she is also a chartered financial analyst (CFA).