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Unsere Erkenntnisse aus dem „State of the Cloud“-Bericht 2023 von Bessemer Venture Partners

Veröffentlicht am 22. Mai 2023

Christopher Gannatti, CFA
Christopher Gannatti, CFA

Global Head of Research

Bessemer Venture Partners (BVP) veröffentlicht jedes Jahr seinen „State of the Cloud“-Bericht. Alle, die ein Verständnis für die Entwicklung von SaaS-Unternehmen (Software-as-a-Service) im aktuellen Marktumfeld gewinnen möchten, sollten diesen Bericht lesen, der hier abgerufen werden kann.

BVP ist der kompetente Partner von WisdomTree für den BVP Nasdaq Emerging Cloud Index, der häufig als „EMCLOUD“ bezeichnet wird. Anleger ziehen diesen nützlichen Index heran, wenn sie die Performance von SaaS-Unternehmen über einen bestimmten Zeitraum hinweg gesondert betrachten wollen.

Die folgenden beiden Bereiche des „State of the Cloud“-Berichts 2023 von BVP zogen unsere Aufmerksamkeit auf sich:

1) Tauziehen zwischen Rentabilität und Wachstum: Menschen mögen klare Antworten. Bei SaaS-Unternehmen ist es jedoch am besten, sich die Entscheidung zwischen Rentabilität und Wachstum wie einen Rechenschieber vorzustellen: Die Mitte signalisiert, dass beide gleichermaßen wichtig sind, während sich die Position auf dem Rechenschieber im Laufe der Zeit auf die eine oder andere Seite verlagert, je nachdem, was der Markt gerade bevorzugt. Die Analyse von BVP macht deutlich, wie sich die Position auf diesem Rechenschieber hin- und herbewegt hat.

2) Künstliche Intelligenz (KI): Besonders im Zusammenhang mit den großen Sprachmodellen (Large Language Models, LLMs), die den Stand der Technik in der generativen KI kennzeichnen. BVP stellt eine sehr klare Verbindung zwischen der Tatsache her, dass viele SaaS-Unternehmen generative KI-Funktionen einbauen müssen, wenn sie in den nächsten zehn Jahren erfolgreich sein wollen. Wenn sich generative KI wirklich durchsetzt, liefert BVP ein überzeugendes Argument dafür, dass SaaS-Unternehmen zu den größten Gewinnern gehören sollten.

Auf Wachstum oder auf Rentabilität setzen? Den SaaS-„Rechenschieber“ verstehen.

Nach der globalen Finanzkrise von 2008–09 und bis März 2022 hat die US-Notenbank (Fed) ihre Federal Funds Policy Rate (Leitzins) zumeist nahe null festgesetzt, was allen Unternehmen in den USA historisch niedrige Kapitalkosten bescherte. Gründer konnten ohne Weiteres auf größere Finanzierungsquellen zugreifen, und diese Finanzierung ließ sich leichter durch tolle Geschichten über riesige Zielmärkte gewinnen.

Doch Anfang 2022 erhöhten die Federal Reserve und andere Zentralbanken die Zinsen drastisch. Plötzlich lagen die Kapitalkosten nicht mehr bei null, und die Zinssätze zogen wie die Schwerkraft unaufhaltsam immer stärker an den himmelhohen Bewertungen, die Ende 2021 und Anfang 2022 bei SaaS-Unternehmen zu verzeichnen waren.

Abbildung 1 zeigt eine interessante Analyse von BVP, die im „State of the Cloud“-Bericht 2023 in voller Länge nachzulesen ist. Von links nach rechts:

  • Nov. 21: Die kritischen Zahlen beziehen sich auf die Koeffizienten, die im unteren Teil der Abbildung dargestellt sind, innerhalb eines 2-Faktoren-Regressionsmodells. Einfach ausgedrückt: Ein Modell wie dieses verwendet zwei Variablen, um einen anderen Wert vorherzusagen. In diesem Fall sind Umsatzwachstum und freie Cashflow-Marge die unabhängigen Variablen, die zur Vorhersage der entsprechenden Auswirkungen auf die Bewertung, also der abhängigen Variable, herangezogen werden. Der Wert von 39,8 entspricht etwa dem 6-Fachen von 6,3, was bedeutet, dass sich eine Verbesserung des Umsatzwachstums um 1 Prozent in gleichem Umfang auf die Bewertung auswirkt wie eine Verbesserung der Rentabilität um 6 Prozent. Damit wird höherem Wachstum eine wesentlich größere Bedeutung beigemessen!
  • Okt. 22: An diesem Punkt (mittlere Abbildung) kehrt sich das Verhältnis um. Hier ist zu sehen, dass 9,1 ungefähr dem 0,8-Fachen von 11,0 entspricht. Das heißt, dass sich eine Verbesserung des Umsatzwachstums um 1 Prozent ebenso auf die Bewertungen auswirkt wie eine Verbesserung der Rentabilität um 0,8 Prozent – ein Verhältnis von nahezu 1:1 und eine massive Verschiebung, wenn man bedenkt, dass dies als Entwicklungspfad zu betrachten ist. Wir befanden uns alle auf dem Weg von einem Verhältnis von ungefähr 6:1 zugunsten des Wachstums zu einem Verhältnis von 1:1, wobei Wachstum und Rentabilität nun annähernd ausgeglichen sind.
  • Heute (Apr. 23): Aktuell sehen wir dieses Verhältnis so, dass sich eine Verbesserung des Umsatzwachstums um 1 Prozent in gleicher Weise auf die Bewertung auswirkt wie eine Verbesserung der Rentabilität um 2 Prozent. Wir haben also unsere Antwort: Grob gesagt, ist Wachstum offenbar immer noch wichtig, etwa zweimal so wichtig wie die Verbesserung der Rentabilität, zumindest in angemessenem Rahmen.

Abbildung 1: Wachstum oder Rentabilität? Ein eher quantitativer Blick ...

Quelle: https://www.bvp.com/atlas/state-of-the-cloud-2023?from=feature.

Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.

Generative KI: eine radikale Wende

Ein großer Teil des „State of the Cloud“-Berichts 2023 befasst sich mit künstlicher Intelligenz, besonders mit der Frage, wie diese als Motor zur Verstärkung des Wachstums und der Leistungsfähigkeit von SaaS-Unternehmen eingesetzt werden kann. BVP ist der Ansicht, dass Unternehmen, die in den nächsten zehn Jahren Bestand haben wollen, generative KI-Funktionen in ihr Angebot aufnehmen müssen.

BVP verwies auch auf „KI-native“ Unternehmen. Laut Prognosen von BVP können diese Unternehmen einen jährlich wiederkehrenden Umsatz von 1 Milliarde US-Dollar um 50 Prozent schneller erreichen als andere SaaS-Unternehmen in der Vergangenheit.

BVP fokussiert sich auf den jährlich wiederkehrenden Umsatz und nicht auf die Bewertung – der Markt wurde im Venture-Bereich so überschwänglich, dass es einfach zu viele „Einhörner“ (d. h. Start-ups mit einer Marktbewertung von über 1 Milliarde US-Dollar vor dem Börsengang oder einem Exit) gab, um den Begriff zu rechtfertigen.

Letztes Jahr prägte BVP den Begriff „Zentaur“: ein Unternehmen, das den Meilenstein von 100 Millionen an jährlich wiederkehrendem Umsatz erreicht hat – eine bedeutende Leistung und ein besserer Beweis für die Umsetzung als nur eine hohe Bewertung.

Nur die besten SaaS-Unternehmen mit starker Umsetzung und einem bemerkenswerten Product-Market-Fit erreichen jemals 1 Milliarde US-Dollar an jährlich wiederkehrendem Umsatz.

Abbildung 2: KI-native Cloud-Unternehmen könnten ihren Weg zu einem wichtigen Meilenstein an jährlich wiederkehrendem Umsatz erheblich beschleunigen

Quelle: https://www.bvp.com/atlas/state-of-the-cloud-2023?from=feature.

Prognosen sind kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und alle Anlagen sind mit Risiken und Ungewissheiten verbunden.

Fazit: eine weitere Möglichkeit, ein generatives KI-Engagement in Betracht zu ziehen?

Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels ist eine Anlage in OpenAI, das Unternehmen, das hinter der Einführung des sich rasch ausbreitenden ChatGPT steht, auf dem öffentlichen Markt nicht möglich. Anleger, die auf das Wachstum der generativen KI setzen wollen, können daher nicht einfach in ChatGPT investieren, aber sie können diese Investmentthese durch verschiedene Möglichkeiten umsetzen:

  • Bestimmte Tech-Giganten wie Microsoft und Alphabet könnten generative KI in großem Umfang in ihre sehr breit angelegten und weit verbreiteten Plattformen integrieren.
  • Damit generative KI funktioniert, könnte es eine größere Nachfrage nach bestimmten Arten von Halbleitern geben, um die Hardware zu beschleunigen, weshalb Unternehmen wie Nvidia von Interesse sein könnten.
  • Zudem können durch unterschiedliche Strategien verfolgte Ansätze ein Engagement in Unternehmen anstreben, die eine breitere KI-Wertschöpfungskette oder ein KI-Ökosystem darstellen.

Wenn wir jedoch während der COVID-19-Pandemie in der Tech-Branche eines gelernt haben, dann war es die Skalierbarkeit des SaaS-Geschäftsmodells. Diese Unternehmen können rasant wachsen, und die Margen können sehr, sehr hoch sein. Wenn sich generative KI als Wachstumskatalysator erweist – und es hat den Anschein, dass Wachstum bei SaaS-Anlegern hoch im Kurs steht – könnte dies eine sehr interessante und andersartige Möglichkeit sein, um auf die KI-Wachstumsthese zu setzen.

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Über den Autor

Christopher Gannatti, CFA
Christopher Gannatti, CFA

Global Head of Research

Christopher Gannatti leitet das globale Researchteam von WisdomTree und bringt umfangreiche Erfahrungen in das Unternehmen ein. Seit seinem Eintritt im Dezember 2010 ist Chris Gannatti durch die Ränge aufgestiegen, bis er 2021 das Ruder übernahm. Angesichts seiner globalen Zuständigkeit hat er eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Initiativen von WisdomTree in den USA und in Europa gespielt. Sein Fachwissen liegt in den Themenbereichen Aktien und Technologie mit dem Schwerpunkt auf Storytelling und strategischen Einblicken. Er ist in den USA ansässig und arbeitet eng mit dem globalen CIO Jeremy Schwartz zusammen. Vor seinem Eintritt bei WisdomTree war Chris Gannatti bei Lord Abbett als Regional Consultant tätig und arbeitete mit Finanzberatern im Mittleren Westen. Er hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften der Colgate University und einen MBA der NYU Stern School of Business mit den Schwerpunkten Quantitative Finanzwissenschaft, Rechnungswesen und Wirtschaftswissenschaften. Außerdem ist er CFA-Charterholder. Als echter Visionär ist Chris Gannatti für sein Vordenken und seine Fähigkeit, komplexe Strategien effektiv zu vermitteln, bekannt.

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