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Der Cloud-Computing-Megatrend für Wachstum inmitten von Unsicherheit

Veröffentlicht am 10. September 2019

Christopher Gannatti, CFA
Christopher Gannatti, CFA

Global Head of Research

Die globalen Märkte scheinen mit angehaltenem Atem auf die nächste Ankündigung der Zentralbank oder den nächsten Präsidenten-Tweet zu warten – vom BREXIT oder den Umbrüchen in der italienischen Regierung mal ganz abgesehen. Tatsache ist, dass sich Investoren mit vielen offensichtlichen Risiken konfrontiert sehen, und es scheint nicht so, als würden diese in naher Zukunft einfach so verschwinden.

Unsere Gesellschaft setzt auf Daten als neue Wachstumsbranche

Einem aktuellen Bericht zufolge wird die weltweite Datenmenge bis 2025 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 61 Prozent von 33 Zettabyte auf 175 Zettabyte anwachsen. Nur kurz am Rande: ein Zettabyte entspricht einer Billion Gigabyte. Im Jahr 2025 werden voraussichtlich 49 Prozent dieser Daten in der öffentlichen Cloud gespeichert sein . Wenn man also davon ausgeht, dass die Zunahme der Datengenerierung unvermindert anhält, sollte dieses Wachstumspotenzial der Cloud Realität werden – unter Umständen sogar völlig unabhängig von den wirtschaftlichen Wachstumsbedingungen.

Die Auswirkungen sehen wir bereits jetzt an den 10 Top-Unternehmen des S&P 500-Index. Ein interessanter Aspekt:

  • Die fünf nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen beschäftigen sich alle ausführlich mit Daten. Einige sammeln Daten sogar über „kostenlose“ Dienste, wie beispielsweise über Gmail als E-Mail-Dienst oder über Facebook, um mit Freunden und Familienmitgliedern in Kontakt zu treten.
  • Die fünf größten Unternehmen hatten eine Marktkapitalisierung von mehr als 4 Billionen US-Dollar. Davon hat allein Microsoft über 1 Billion US-Dollar erzielt. Apple und Amazon haben in der jüngsten Vergangenheit ebenfalls jeweils 1 Billion US-Dollar weit hinter sich gelassen.

Abbildung 1: 10 Top-Unternehmen des S&P 500-Index.

Quelle: Bloomberg. Stand: 23. August 2019. * Die Gewichtung für Google repräsentiert die Kombination der beiden Notierungen „GOOG“ und „GOOGL“.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Veränderungen im Umgang mit Daten durch Unternehmen und Kunden

In den vergangenen fünfzehn Jahren hat sich die Einstellung zu diesen Daten weltweit grundlegend verändert. Es gab eine Zeit, in der Einzelpersonen ausschließlich von ihren physischen Festplatten abhängig waren – und möglicherweise von Backups –, um alles zu speichern, was sie speichern wollten. Musik oder Filme sind gute Beispiele dafür, wie die gleichen Inhalte, die früher nur auf physischen Discs und Playern erhältlich waren, jetzt auf verteilten Plattformen mit Login und monatlicher Gebühr verfügbar sind.

Unternehmen sind diesem Beispiel gefolgt. Früher musste eine physische Infrastruktur, wie z. B. Server, vor Ort unterhalten werden. Heute wird dafür immer mehr auf verteilte Dienste im Monatsabonnement gesetzt, mit denen die Daten immer verfügbar und über eine Internetverbindung stets zugänglich sind.

Kurz gesagt, die Daten der Welt sind in die Cloud gewandert.

Was aber ist die Cloud?

Wie viele andere Begriffe ist „Cloud“ ein Oberbegriff, der zahlreiche unterschiedliche Technologien umfasst. Diese sind darauf ausgerichtet, den Kunden verschiedene Dienste bereitzustellen. Im Einzelfall kann das Gesamtbild sehr nuanciert sein, aber die Cloud-Dienste lassen sich grob in die folgenden Kategorien unterteilen:

  • Software-as-a-Service (SaaS)
  • Platform-as-a-Service (PaaS)
  • Infrastructure-as-a-Service (IaaS)

Die Infografik in Abbildung 2 enthält einige Details zu diesen Kategorien.

Abbildung 2: Drei Kategorien von Cloud-Diensten

Quelle: WisdomTree.

Von der Cloud profitieren Kunden UND Anbieter

Am 6. Januar 2016 hat Netflix seinen Service auf über 130 neue Länder ausgeweitet. Das geschah nach siebenjährigen Bemühungen, von seinen eigenen herkömmlichen Rechenzentren zu den Cloud-Diensten von Amazon Web Services zu wechseln. Wenn Netflix versucht hätte, eine eigene Infrastruktur weltweit an ausreichend Standorten aufzubauen, um die Versorgung von 130 Ländern zu ermöglichen, wäre das Geschäftsmodell unter der Last dieser Kapitalintensität möglicherweise zusammengebrochen. Obwohl es sich hier um ein sehr prominentes Beispiel handelt, bleibt die Tatsache bestehen, dass Unternehmen jeder Größe die Cloud für ihre Infrastrukturbedürfnisse nutzen können. Dadurch müssen sie nur für das zahlen, was sie benötigen, und können die Kapazitäten schnell entsprechend skalieren, wenn es die Gegebenheiten erfordern.

Anbieter profitieren von den wiederkehrenden Umsätzen und der ultimativen Verweildauer, die sie den niedrigen Abwanderungsraten zu verdanken haben, d. h. die Kunden bleiben ihnen treu. Es besteht auch die Möglichkeit, eine operative Hebelwirkung zu erzielen, da die Einnahmen potenziell schneller wachsen als die variablen Kosten, sobald der Kundenstamm eine bestimmte Größe erreicht hat.

Die Wirtschaft mag sich in einer Spätzyklusphase befinden, aber für die Datenübertragung ist es noch früh im Rennen

Zum Herbstbeginn 2019 haben die globalen Aktienmärkte in vielen Fällen – bezogen auf die vorhergehenden zwölf Monate – ein Rekordhoch erreicht bzw. fast erreicht. Es gibt ernsthafte Bedenken, dass 1) Rezessionen in den kommenden Jahren zur Realität werden könnten und 2) die Aktienrenditen in den kommenden 10 Jahren unter denen der vergangenen 10 Jahre liegen werden

Wenn das Ergebnis der Diskussion dazu führen würde, dass Menschen Google, Amazon, IBM oder Microsoft für ihre Cloud-Dienste in Betracht ziehen, dann würde unserer Ansicht nach das Potenzial dieser Investitionsmöglichkeit völlig unzureichend ausgeschöpft werden. Hierbei handelt es sich um einige der weltweit größten und bekanntesten Unternehmen, die alle ein diversifiziertes Geschäftsmodell aufweisen. Stattdessen könnten kleinere, weniger bekannte Unternehmen, die sich gezielt auf die Bereitstellung von Cloud-Diensten konzentrieren, einen interessanten Pure Play-Ansatz für die Wachstumschancen von Cloud-Computing bieten.

  • Viele der reinen Cloud-Dienst-Unternehmen haben im Jahresvergleich ein stärkeres Umsatzwachstum verzeichnet als die größeren Unternehmen des S&P 500-Index, von denen viele in den vergangenen 10 Jahren für Begeisterung und hohe Erträge gesorgt haben.

Abbildung 3: Umsatzwachstum von Cloud-Unternehmen im Vergleich zu den größten Firmen im S&P 500-Index innerhalb von 10 Jahren

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Quelle: Bloomberg. Die Daten wurden 10 Jahre lang bis zum 23. August 2019 erfasst

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.

Cloud-Computing könnte in den nächsten zehn Jahren ein interessanter Megatrend werden

In den vergangenen 10 Jahren haben viele Investoren von Exposure-Optionen gegenüber marktkapitalisierungsgewichteten Indizes wie dem S&P 500-Index profitiert. Das zeigt uns, dass viele der weltweit größten Unternehmen zu recht hohen Erträgen tendieren. Mit dem zunehmenden Wachstum dieser Unternehmen wird deren Fähigkeit, weiterhin entsprechende Ergebnisse zu realisieren, möglicherweise in Frage gestellt. Im kommenden Jahrzehnt könnte Cloud-Computing daher eine Möglichkeit für einen spezifischen Zugang zu Technologieunternehmen mit ganz anderen Wachstumsaussichten sein.

1 Reinsel, David et al. „Data Age 2025: The Digitization of the World from Edge to Core.“ IDC. November 2018.

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Über den Autor

Christopher Gannatti, CFA
Christopher Gannatti, CFA

Global Head of Research

Christopher Gannatti leitet das globale Researchteam von WisdomTree und bringt umfangreiche Erfahrungen in das Unternehmen ein. Seit seinem Eintritt im Dezember 2010 ist Chris Gannatti durch die Ränge aufgestiegen, bis er 2021 das Ruder übernahm. Angesichts seiner globalen Zuständigkeit hat er eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Initiativen von WisdomTree in den USA und in Europa gespielt. Sein Fachwissen liegt in den Themenbereichen Aktien und Technologie mit dem Schwerpunkt auf Storytelling und strategischen Einblicken. Er ist in den USA ansässig und arbeitet eng mit dem globalen CIO Jeremy Schwartz zusammen. Vor seinem Eintritt bei WisdomTree war Chris Gannatti bei Lord Abbett als Regional Consultant tätig und arbeitete mit Finanzberatern im Mittleren Westen. Er hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften der Colgate University und einen MBA der NYU Stern School of Business mit den Schwerpunkten Quantitative Finanzwissenschaft, Rechnungswesen und Wirtschaftswissenschaften. Außerdem ist er CFA-Charterholder. Als echter Visionär ist Chris Gannatti für sein Vordenken und seine Fähigkeit, komplexe Strategien effektiv zu vermitteln, bekannt.

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