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Warum Blockchain so wichtig ist

Veröffentlicht am 11. Februar 2020

Jason Guthrie
Jason Guthrie

Director of Capital Markets, WisdomTree Europe

Das Ausgangsproblem

In einer Diskussion um das Störpotenzial des Internets 1999, postulierte Ökonom Milton Friedman:

„Das Einzige, was fehlt, was aber bald entwickelt werden wird, ist ein zuverlässiges E-Geld: eine Methode, mit der A an B über das Internet Geld überweisen kann, ohne dass A B kennt oder B A kennt – auf dieselbe Weise, wie ich einen 20-Dollar-Schein nehmen und Ihnen geben kann ...“

Seitdem ist der Zahlungsverkehr zweifellos stärker digitalisiert worden. Dabei wurde jedoch ein deutlich anderer Weg eingeschlagen als der von Friedman ins Auge gefasste. Heute gibt es ein System aus „vertrauenswürdigen Stellen“, in dem Banken als Hüter der Zahlungsbelege agieren. Bei einer digitalen Zahlung, ob per Kreditkarte in einem Geschäft, über PayPal auf einer Website oder per Überweisung mit einer Banking-App, wird das Geld nicht direkt an den Empfänger überwiesen. Stattdessen wird eine relativ lange Kette von Ereignissen ausgelöst, an der eine große Anzahl von Intermediären beteiligt ist und die schlussendlich mit der Belastung des Kontos des Zahlungspflichtigen und einer Gutschrift auf dem Konto des Empfängers endet. Hier finden Sie weitere Informationen zu diesem Vorgang.

Dies bedeutet, dass wir im digitalen Zahlungsverkehr noch stark auf große Kreditinstitute angewiesen sind. Innovation ist nur zu ihren Bedingungen möglich. Ob eine Partei mit einer anderen eine Transaktion abschließen kann, hängt davon ab, ob die Banken der Parteien bereit sind, miteinander zu kommunizieren. Auch die Aufnahme in einen bestimmten Markt wird durch ihre Kriterien bestimmt. Kommt es bei den Banken zu einem Ausfall, kann dies zum Systemausfall führen, d. h., wenn die Systeme einer Bank zusammenbrechen, stehen nicht mehr viele Optionen zur Verfügung.

Herausforderungen des digitalen Zahlungsverkehrs

Wie könnte also ein digitales Peer-to-Peer-Zahlungssystem entwickelt werden?

Das „Double Spending“-Problem: Im Prinzip soll hierbei sichergestellt werden, dass eine beliebige Geldeinheit nur einmal ausgegeben werden kann. Nehmen wir Bargeld als Beispiel: Es gibt nur eine bestimmte Anzahl von Noten und nur eine Person kann zu einem bestimmten Zeitpunkt im Besitz einer beliebigen Note sein – wird sie ausgeben, ist sie weg. Dabei handelt es sich ganz offensichtlich um einen wesentlichen Bestandteil eines Zahlungssystems, der bei einem digitalen System unter Umständen jedoch schwer zu lösen ist, wenn man bedenkt, wie digitale Dokumente übertragen werden. Wird ein Dokument per E-Mail versendet, kommt beim Empfänger nämlich eine Kopie des Dokuments an. Der Sender ist weiterhin im Besitz des Originals. Das spielt keine Rolle, wenn eine Tabellenkalkulation oder ein Foto versendet wird, beim Versenden von Geld hingegen schon.

Deshalb agieren Banken – als vertrauenswürdige Dritte – bisher als zentrale Stelle, denn wenn digitale Dateien unendlich kopiert werden können, ist ein vertrauenswürdiger Dritter notwendig, der aufzeichnet, wem wie viel gehört.

Um dieses Problem zu lösen und eine direkte digitale Überweisung zu ermöglichen, ist also ein System notwendig, anhand dessen alle dem aktuellen Stand (d. h. wem was gehört) nach jeder Transaktion ohne eine zentrale Stelle zustimmen können. Dadurch entsteht ein Vertrauensproblem. Als Analogie wird hierfür häufig das Problem der byzantinischen Generäle herangezogen.

Das Problem der byzantinischen Generäle[1]: Dieser Begriff beschreibt eine Situation, in der sich alle Teilnehmer eines Systems auf eine Strategie einigen müssen, um einen katastrophalen Ausfall des Systems zu verhindern, doch einige Teilnehmer sind unzuverlässig oder böswillig.

Im Zusammenhang mit einem elektronischen Zahlungssystem müssen alle Teilnehmer an die Integrität des Systems glauben, damit das System ohne zentrale vertrauenswürdige Stelle funktionieren kann. Wenn Millionen von Teilnehmer, die sich gegenseitig nicht kennen, Geld überweisen möchten, besteht ein riesiges Vertrauensproblem, das nur schwer zu überwinden ist.

Angesichts dieser beiden Probleme ist eine Technologie notwendig, die es ermöglicht, einen Wert elektronisch an einen Dritten zu überweisen, ohne diesen Dritten kennen zu müssen, und die gleichzeitig sicherstellt, dass die Transaktion dauerhaft aufgezeichnet wird. Wenn alle Teilnehmer des Systems der Gültigkeit der Überweisung zustimmen und einen Beleg aller Transaktionen aufbewahren, können die Teilnehmer nicht betrügerisch handeln und es ist kein vertrauenswürdiger Dritter erforderlich, d. h. das „Double Spending“-Problem ist gelöst.

Blockchain: Die Technologie der vertrauenslosen Buchführung

Dies bringt uns zum Thema Blockchain. Im Jahr 2008 wurde in Satoshi Nakamotos Abhandlung „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ ein elektronisches Kassensystem vorgestellt, mit dem „vertrauenslose“ Peer-to-Peer-Überweisungen getätigt werden können, ohne dass dazu eine vertrauenswürdige zentrale Stelle notwendig wäre, um eine doppelte Ausgabe zu verhindern. Kurz darauf war Bitcoin geboren – die weltweit erste Kryptowährung.

Letztendlich ist es die Blockchain-Technologie, auf der Bitcoin aufbaut, die es ermöglicht hat, die inhärenten Probleme von elektronischen direkten Überweisungen zu lösen. Und dank des Open-Source-Charakters des Bitcoin-Protokolls wird die Blockchain-Technologie heute weit über die ursprüngliche Kryptowährung hinaus genutzt. Es wurden nicht nur viele weitere digitale Währungen mit innovativen Eigenschaften entwickelt, sondern die Technologie kommt auch in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz, z. B.:

•Aktienregister
•Emission von Anleihen
•Aktionärsabstimmung
•Grundbücher und Eigentumsübertragung
•Grenzübergreifende Überweisungen

•Verteiltes Peer-to-Peer-Filesharing
•Transport- und Fuhrparkverwaltung
•Digitale Identität
•Prozesse zu Anti-Geldwäsche und Legitimationsprüfung („Know Your Customer“)
•Peer-to-Peer-Kredite
•Verbriefung

•Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln
•Lieferkette

Die Bedeutung der Buchführung

Im Kern ist die Blockchain-Technologie eine Technologie der sicheren, vertrauenslosen Buchführung. Dieses Konzept mag nicht so aufregend sein wie die 10-fachen Renditen, die in Kryptowährungskreisen typischerweise für Gesprächsstoff sorgen, es hat jedoch das Potenzial, wirklich revolutionär zu sein.

Hinsichtlich der Anwendungsbereiche der Blockchain-Technologie, werden voraussichtlich vor allem drei von ihren Auswirkungen betroffen sein:

1.Wegfallen von Intermediären
Viele der Bereiche, in denen versucht wird, Blockchain-Technologie einzusetzen, sind aufgrund der Beteiligung von Intermediären von sehr hohen Kosten gekennzeichnet. Finanzdienstleistungen sind ein Paradebeispiel dafür. Selbst für Transaktionen von relativ geringem Wert, z. B. eine Gebühr von 5 Euro für die Nutzung einer Karte im Ausland oder die 0,2 %, die ein Kreditkartenunternehmen einem Händler belastet, verdient das hierfür verantwortliche Institut jährlich Milliarden, die an die Endnutzer des Systems zurückgegeben werden könnten.

2.Effizienzen
Viele Vermögensgegenstände sind heute sehr ineffizient. Jeder, der schon einmal ein Haus gekauft oder Geld ins Ausland überwiesen hat, weiß das. Blockchain-Technologie wird eingesetzt, um die Grundlage dafür zu schaffen, die Eintragung und Übertragung vieler Vermögensgegenstände einfacher, schneller und günstiger zu machen.

Blockchain und die Zukunft

Es wird viel Aufhebens um dieses Thema gemacht, da das Konzept der Blockchain mit dem von Bitcoin vermischt wird. Wie Bitcoin und die Gemeinschaft, die sich darum gebildet hat, das Konzept nutzen, ist auf eigene Weise interessant, spiegelt jedoch nicht die Blockchain als Ganzes wider. Bitcoin war die ursprüngliche Quelle der Blockchain und ist immer noch die offensichtlichste Anwendung der Technologie, seit ihrer Einführung gibt es aber zahllose Interaktionen und Implementierungen des Konzepts. Einige davon fordern Bitcoin als „die“ Kryptowährung heraus, andere könnten neben Bitcoin existieren und viele weitere haben nichts mit Währungen oder Zahlungssystemen zu tun.

Entfernt man sich, ungeachtet der anfänglichen Reaktionen oder Meinungen zu Bitcoin, einen Schritt von den Einzelheiten eines bestimmten Einsatzgebiets der Blockchain, sind sich die meisten darüber einig, dass das Konzept eines vertrauenslosen Peer-to-Peer-Netzwerks mit unabänderlicher Buchführung das Potenzial einer umfassenden Revolution hat. Diese Technologie ist fähig, menschliche Kooperation effizienter zu gestalten und Humanressourcen für das nächste große Bestreben der Menschheit freizulegen. Betrachtet man das Thema in diesem Zusammenhang, sollten alle Initiativen auf Basis der Blockchain genauer geprüft werden...

[1] Eine vollständige Erklärung des Problems der byzantinischen Generäle gibt es hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Byzantine_fault

Über den Autor

Jason Guthrie
Jason Guthrie

Director of Capital Markets, WisdomTree Europe

Jason Guthrie ist Head of Digital Assets bei WisdomTree in Europa. Er leitet den Bereich digitale Assets bei WisdomTree. Dazu gehören die Markteinführung neuer Produkte, die Erkennung von Chancen zur Verbesserung bestehender Produkte, die Förderung von Vertriebsstrategien sowie die Kundeninformation und -interaktion rund um Kryptowährungen. Jason Guthrie ist für die Arbeit verantwortlich, die über die übliche Produktpalette hinausgeht, und fördert aktiv digitale Assets durch alternative und strategische Projekte. Vorher war Guthrie vier Jahre lang Head of Capital Markets bei WisdomTree in Europa, wo sein Team für die reibungslose Handelsausführung für unsere Kunden verantwortlich war. Vor seinem Wechsel zu WisdomTree war Guthrie bei der ETF Capital Markets Group der Deutschen Bank sowie bei Macquarie Bank als Investment Executive in Sydney, Australien, tätig. Jason Guthrie verfügt über einen Bachelor of Commerce (Finance) von der Macquarie Universität in Sydney.

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