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Nutzung von breit angelegten Rohstoffstrategien für Portfolioallokationen

Veröffentlicht am 3. Juni 2019

Christopher Gannatti, CFA
Christopher Gannatti, CFA

Global Head of Research

Oft ist es am einfachsten, die unterschiedlichen Bausteine oder Anlageklassen eines Portfolios gedanklich voneinander zu trennen. Dies ist zwar wichtig, birgt aber das Risiko, dass eine fundamentale Tatsache bezüglich des Großteils der Anlegerportfolios nicht beachtet wird: Die meisten Anlegerportfolios sind nicht ausschließlich in Aktien oder Anleihen oder Rohstoffen investiert. Sie umfassen eine diversifizierte Mischung von Aktien, Anleihen und Rohstoffen und manchmal sogar weitere Anlageklassen.

Rohstoffe haben sich schlechter entwickelt als traditionelle Anlageklassen

Die menschliche Wahrnehmung ist häufig auf den Wettbewerb und den Vergleich fokussiert. Dies gilt ganz besonders für Portfolioentscheidungen. Es ist in der Regel sehr einfach, über Anlageklassen zu sprechen, die sich besonders gut entwickelt haben, und sehr schwierig, über Anlageklassen zu sprechen, die schlecht abgeschnitten haben. Die Besprechung von Anlageklassen, die längere Zeit negative Renditen erzielt haben, ist jedoch fast unmöglich.

Kein Ersatz für breit angelegte Rohstoffallokationen

An dieser Stelle möchten wir anmerken, dass wir mit Anlegern sowohl rohstoffbezogene Aktien als auch verwaltete Futures besprochen haben. Manchmal stehen diese Allokationen im Portfolio mit Rohstoffen im Wettbewerb. Aber1:

  • Rohstoffbezogene Aktien reagieren für gewöhnlich empfindlicher auf die breiteren Aktienmärkte als reine, diversifizierte Rohstoffanlagen. Darüber hinaus erzielen Unternehmen Erträge, die von anderen Faktoren als der Entwicklung der Rohstoffpreise beeinflusst werden.
  • Anlagen in verwalteten Futures können je nach ihrer Strukturierung stark vom Manager abhängen – oder zumindest von dem algorithmischen Ansatz, der die Positionen auswählt und gewichtet. Einige dieser Ansätze können zu Long- oder Short-Positionen führen. Ein angemessenes Management dieses Prozesses ist jedoch nicht einfach und das Renditeprofil kann ganz anders aussehen, als die Entwicklung der Rohstoffpreise allein vermuten ließe.

Korrelation: Der entscheidende Aspekt für eine effektive Diversifizierung

Wenn man nur die relative Performance berücksichtigt, könnte man etwas Bedeutendes übersehen. Eines der entscheidendsten Elemente eines Portfolios bezieht sich darauf, in welchem Verhältnis die unterschiedlichen Anlageklassen oder Vermögenswerte zueinander stehen.

Wenn wir zugeben, dass wir vorab nicht wissen, in welche Richtung sich der Markt entwickeln wird, könnte ein Portfolio aus Anlagen mit niedrigerer Korrelation ziemlich nützlich sein. Es wäre nämlich eine Option, um die Volatilität der Anlagen insgesamt zu reduzieren. Abbildung 1 enthält ein paar wichtige Gründe, warum Rohstoffe dazu geeignet sind:

  • Der Bloomberg Commodity Index wies im betrachteten Zeitraum eine Korrelation von 0,47 mit dem MSCI ACWI Index und eine Korrelation von 0,34 mit dem Bloomberg Barclays Global Aggregate Index auf. Diese Zahlen veranschaulichen, dass Rohstoffe als Ergänzung zu traditionellen Anlageklassen das Volatilitätsprofil senken können.
  • Noch interessanter sind die Korrelationen der Teilkomponenten des Bloomberg Commodity Index mit dem MSCI ACWI Index und dem Bloomberg Barclays Global Aggregate Index. Lebendvieh wies zum Beispiel in der Regel die niedrigste Korrelation auf. Industriemetalle korrelierten normalerweise am stärksten mit Aktien, Edelmetalle hingegen mit Anleihen.
  • Wenn man die Teilkomponente des Bloomberg Commodity Index mit der stärksten Performance genau vorhersagen könnte, wäre eine Allokation in dieser Richtung sinnvoll. Da dies aber sehr schwierig ist, wird deutlich, was zu den größten Vorteilen einer breit angelegten Rohstoffallokation gehört. Nehmen wir den Energiesektor als Beispiel. Laut unserer Analyse wiesen seine Renditen mit 0,35 die höchste Korrelation mit Industriemetallen auf. Das leuchtet insofern ein, als die Dynamik, die die Preise im Energiesektor beeinflusst, die Dynamik anderer Sektoren nur unwahrscheinlich auf gleiche Weise beeinflussen würde.

Abbildung 1: Messung der Korrelationsbausteine einer breit angelegten Rohstoffallokation

Quelle: Bloomberg, 31. Januar 1999 bis 31. März 2019. Sie können nicht direkt in einen Index investieren.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Konnten risikobereinigte Renditen mit einem diversifizierten Rohstoffengagement erhöht werden?

Das Problem mit Begriffen wie „Korrelation“ besteht darin, dass sie zwar spannend sind, aber ohne statistische Hintergrundinformationen abstrakt erscheinen können. Aus diesem Grund gibt es keinen Ersatz für einen direkten Test, bei dem wir uns ein bestimmtes Portfolio mit Aktien und Anleihen ansehen und überprüfen, ob die risikobereinigten Renditen mit einem diversifizierten Rohstoffengagement verbessert wurden.

In Abbildung 2:

  • 60 % des „Basis“-Portfolios entfallen auf den MSCI World Index und 40 % auf den Bloomberg Barclays US Aggregate Index, dessen Renditedaten sich über einen längeren Zeitraum erstrecken als die des Bloomberg Barclays Global Aggregate Index.
  • Beim Portfolio „Basis + Rohstoffe“ entfallen 55 % auf den MSCI World Index, 35 % auf den Bloomberg Barclays US Aggregate Index und 10 % auf den Bloomberg Commodity Index. Dies ist bei Weitem nicht die einzige Möglichkeit, um einem Portfolio Rohstoffe hinzuzufügen, aber wir haben zur Veranschaulichung zunächst 5 % jeder anderen Anlageklasse in die Allokation umgeschichtet.

Die Sharpe-Ratio ermöglicht einen Blick auf die überschüssige Rendite im Vergleich zum risikofreien Zins pro Einheit der Standardabweichung in jedem Zeitraum. Eine höhere Sharpe-Ratio deutet auf eine höhere risikobereinigte Rendite hin. Für die Berechnung basiert der risikolose Zins auf dem ICE BofA ML 3-Month Treasury Bill Index.

Abbildung 2: Vergleich der Sharpe-Ratio unterschiedlicher Allokationen

Quelle: Bloomberg, 31. Januar 1978 bis 31. März 2019. Der Zeitraum vor der globalen Finanzkrise 2008–09 bezieht sich auf den Zeitraum vom 31. Januar 1978 bis zum 31. Dezember 2007. Der Zeitraum nach der globalen Finanzkrise 2008–09 bezieht sich auf den Zeitraum vom 31. Dezember 2008 bis zum 31. März 2019. Beinhaltet Backtesting-Daten. Der MSCI World Index nahm am 31. März 1986 die Echtzeit-Berechnung auf. Der Bloomberg Commodity Index nahm am 14. Juli 1998 die Echtzeit-Berechnung auf. Der Bloomberg Barclays US Aggregate Index nahm am 1. Januar 1986 die Echtzeit-Berechnung auf. Der Bloomberg Commodity Index nahm am 14. Juli 1998 die Echtzeit-Berechnung auf. Sie können nicht direkt in einen Index investieren.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Wie viel Bedeutung sollte dem Zeitraum nach der globalen Finanzkrise 2008–09 beigemessen werden?

Wir stellen diese Frage, weil wir einige wichtige Details über die Reaktion globaler Zentralbanken auf die globale Finanzkrise von 2008–09 kennen. Quantitative Lockerungsmaßnahmen und die Senkung der Zinsen ließen die Renditen traditioneller Anlageklassen steigen. Allerdings führten sie bisher nicht zu einer höheren Inflation, die wiederum die Renditen von Rohstoffen nach oben treiben dürfte.

  • In der Analyse in Abbildung 2 ist zu erkennen, dass die Sharpe-Ratio des Basis-Portfolios sowie „Basis + Rohstoffe“ für den gesamten Zeitraum äußerst ähnlich ausfiel. Die Hinzufügung von Rohstoffen senkte die Standardabweichung um 0,3 % pro Jahr und führte zu Renditen von 9,4 % für das Basis-Portfolio und zu 9,1 % für „Basis + Rohstoffe“.
  • Während der globalen Finanzkrise 2008–09 schnitt das Portfolio „Basis + Rohstoffe“ auf Grundlage der Sharpe-Ratio besser ab als das Basis-Portfolio. Dazu trugen eine höhere Rendite und eine niedrigere Standardabweichung bei.
  • Während der globalen Finanzkrise 2008–09 erzielte das Basis-Portfolio eine bessere Sharpe-Ratio als das Portfolio „Basis + Rohstoffe“. Der entscheidende Faktor bestand darin, dass der Bloomberg Commodity Index in diesem Zeitraum eine negative Rendite hinnehmen musste, während die anderen beiden Indizes eine ziemlich starke Entwicklung verbuchten.

Woran denken Anleger heute, wenn sie Strategien für diversifizierte Rohstoffkörbe in Erwägung ziehen? Es ist der Zeitraum nach der Krise 2008–09, an den sie sich am besten erinnern können. Da die anderen Anlageklassen sich so gutentwickelt haben, fällt es manchen Anlegern schwer, die Vorteile einer zusätzlichen Allokation in diversifizierten Rohstoffen zu erkennen. Jetzt könnte allerdings ein guter Zeitpunkt für so eine Allokation sein, weil die Renditen unterschiedlicher Anlageklassen im kommenden Jahrzehnt nur selten den Renditen des vergangenen Jahrzehnts entsprechen.

1 “Understanding Investing: Commodities.” PIMCO. 2017.

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Über den Autor

Christopher Gannatti, CFA
Christopher Gannatti, CFA

Global Head of Research

Christopher Gannatti leitet das globale Researchteam von WisdomTree und bringt umfangreiche Erfahrungen in das Unternehmen ein. Seit seinem Eintritt im Dezember 2010 ist Chris Gannatti durch die Ränge aufgestiegen, bis er 2021 das Ruder übernahm. Angesichts seiner globalen Zuständigkeit hat er eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Initiativen von WisdomTree in den USA und in Europa gespielt. Sein Fachwissen liegt in den Themenbereichen Aktien und Technologie mit dem Schwerpunkt auf Storytelling und strategischen Einblicken. Er ist in den USA ansässig und arbeitet eng mit dem globalen CIO Jeremy Schwartz zusammen. Vor seinem Eintritt bei WisdomTree war Chris Gannatti bei Lord Abbett als Regional Consultant tätig und arbeitete mit Finanzberatern im Mittleren Westen. Er hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften der Colgate University und einen MBA der NYU Stern School of Business mit den Schwerpunkten Quantitative Finanzwissenschaft, Rechnungswesen und Wirtschaftswissenschaften. Außerdem ist er CFA-Charterholder. Als echter Visionär ist Chris Gannatti für sein Vordenken und seine Fähigkeit, komplexe Strategien effektiv zu vermitteln, bekannt.

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