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Energiewende erhält unerwarteten Auftrieb

Veröffentlicht am 27. März 2023

Wood Mackenzie
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In den letzten zwölf Monaten haben sich die Aussichten für die Weltwirtschaft grundlegend verändert. Die durch den Krieg in der Ukraine ausgelösten Bedenken über eine sichere Energieversorgung, die seit Generationen höchsten Inflationsraten und das Andauern der COVID-19-Pandemie in wichtigen Märkten belasten die Erwartungen zum Wirtschaftswachstum. Zum Teil als Reaktion auf diese Krisen wurden 2022 in den USA und der EU besonders aggressive neue Politikpakete zur Unterstützung der Energie- und Klimaziele geschnürt.

Das IRA (Inflation Reduction Act, Inflationsbekämpfungsgesetz) in den USA und der Plan REPowerEU (REU) schaffen neue Fundamente für einen rascheren Wandel der Energieerzeugung und des Energiekonsums. Sicherlich bieten beide Vorhaben eine breitere und stärkere regulatorische Unterstützung für die Energiewende. Außerdem sind sie ein positives Signal für den Wert von Aktien und Rohstoffen, die auf Wachstum bei erneuerbaren Energien ausgerichtet sind, um dem wirtschaftlichen Gegenwind zu trotzen, der die zweite Hälfte des Jahres 2022 und Anfang 2023 bestimmt.

USA verlagern Schwerpunkt auf Kapazitätserweiterung in der heimischen Lieferkette

Am 16. August 2022 unterzeichnete US-Präsident Joe Biden das IRA als Gesetz. Ein Ziel des Gesetzes besteht darin, die US-Nachfrage nach erneuerbaren Energien zu steigern. Dafür wurden verschiedene steuerliche Anreize, einschließlich bestehender Steuergutschriften, verlängert und neue Formen der Unterstützung eingeführt. Wie aus Abbildung 1.1 hervorgeht, haben diese Gutschriften einen beträchtlichen Gesamtwert. Wood Mackenzie schätzt ihn für die nächsten zehn Jahre auf über 40 Milliarden US-Dollar.

Mit dem IRA werden auch spezielle Steuergutschriften und Bonuszuschläge eingeführt, um den Einsatz von in den USA hergestellten Anlagen für die Entwicklung erneuerbarer Energien zu fördern. Damit soll ein Beitrag zum Ausgleich der Investitionskosten für die Erweiterung der Produktionskapazitäten geleistet werden. Nach Einschätzung von Wood Mackenzie wird das IRA dazu beitragen, weitere Investitionen in die US-Produktion erneuerbarer Energien anzustoßen.

Das wird allerdings dauern. Die Nachfrage ist bereits so groß und der Preisaufschlag für die US-Produktion so hoch (viele kapitalintensive Ausrüstungskomponenten, wie beispielsweise Windturbinenblätter und Photovoltaikmodule, kosten bis zu 34 % mehr als importierte Produkte), sodass Importe noch für einige Zeit Teil der Landschaft bleiben werden. Daher werden sich Erstausrüster und Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette für nachhaltige Energie strategisch positionieren, um vom US-Markt zu profitieren.

Ein Thema, das im Auge behalten werden muss, sind die endgültigen Leitlinien des US-Finanzministeriums, der US-Bundessteuerbehörde und des US-Handelsministeriums zu den wichtigsten Bestimmungen des IRA im Hinblick darauf, was als „US-Herstellung“ gilt und wie die inländischen Schwellenwerte berechnet werden. Die Auslegung dieser Teile wird entscheidend sein, um die Wirtschaftlichkeit des Aufbaus einer inländischen Produktionskette und damit das Interesse der Entwickler an US-Ausrüstung zu bestimmen. Die Aussichten für börsennotierte US-Akteure im Bereich erneuerbare Energien und nachhaltige Energie (Stromerzeugung) sowie für die inländischen Lieferketten, die sie unterstützen, haben jedoch eine unerwartete Dosis an regulatorischer Unterstützung erhalten, unabhängig davon, wie diese Bestimmungen letztlich geregelt werden.

Quelle: WoodMackenzie.

Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.

Europa erweitert die bereits aggressiven Kapazitätsziele

Die Europäische Kommission veröffentlichte am 18. Mai 2022 ihren detaillierten REU-Plan. Sie will die Abhängigkeit von Energieimporten aus Russland rasch verringern, ohne dabei die europäischen Dekarbonisierungsziele aufzugeben. Dem Plan liegt das Ziel zugrunde, den Anteil erneuerbarer Energien in der EU bis 2030 auf 45 % zu erhöhen.

Nach Schätzungen von Wood Mackenzie erfordert ein Ziel von 45 % des Energiemix bis 2030 eine Gesamtkapazität an erneuerbaren Energien von 1.236 GW – 15 % mehr als Fit-for-55 und mehr als das Doppelte der heutigen Kapazität. Die Energiespeicherung ist ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Strommarktes mit einem hohen Anteil an variabler erneuerbarer Erzeugung. REU unterstreicht, dass die Energiespeicherung eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung von Flexibilität und künftiger Versorgungssicherheit spielen wird.

Die Europäische Kommission geht davon aus (oder hofft), dass sich der Speichermarkt mit dem steigenden Anteil der variablen erneuerbaren Energien im Stromsystem von selbst entwickelt. Aktuelle Entwicklungen zeigen jedoch, dass dies nicht als selbstverständlich angesehen werden kann. Selbst im Jahr 2022 – in einer Zeit rapide steigender Strompreise – kam es noch zu einer Preiskannibalisierung. Das ist eine Warnung für einige Anlagethesen. Auch sprechen sich die europäischen Akteure im Bereich der erneuerbaren Energien zunehmend dafür aus, dass mehr getan werden muss, damit die Merkmale, die sich bereits auf den Märkten zeigen, nicht zu großen Hindernissen für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energieversorgung werden.

Quelle: WoodMackenzie.

Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.

Ein neuer Wettlauf um erneuerbare Energien

Nach Untersuchungen von Wood Mackenzie schafft das IRA Anreize für die Entwicklung weiterer Produktionskapazitäten für erneuerbare Energien in den USA, um den Ausbau der erneuerbaren Stromkapazitäten zu unterstützen. Ebenso ist der REU-Plan ein bemerkenswerter Ausdruck der Abstimmung innerhalb der EU und des verstärkten Strebens nach Klima- und Energiesicherheit für einen größeren Anteil an erneuerbarer Energiekapazität in der Zukunft. Beide Maßnahmen versprechen, die Energiewende trotz des makroökonomischen Umfelds, in dem die Konzepte formuliert wurden, zu beschleunigen.

Die politischen Maßnahmen deuten auch darauf hin, dass ein Wettbewerb um den Aufbau inländischer Lieferketten im Gange ist, die ein aggressives Streben nach Netto-Null-Emissionen unterstützen können. Die Lieferketten für erneuerbare Energien, die durch COVID-19 und den Krieg in der Ukraine in Bedrängnis geraten sind, werden ins eigene Land verlagert. So beginnt ein Wettlauf darum, wer sich Vorteile in Form von niedrigeren Kosten und einem besseren Zugang zu wichtigen Technologien und Rohstoffen verschaffen kann. Die ersten Anzeichen deuten darauf hin, dass das IRA mit dem Versprechen stabiler langfristiger Steueranreize den USA einen frühen Vorsprung verschafft hat. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die EU und ihre Mitgliedstaaten sowie auf die Frage, wie sie reagieren können, um einen ähnlichen inländischen Kapazitätsschub zu bewirken, wie es das IRA für die USA zur Unterstützung ihrer Netto-Null-Ziele getan hat.

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