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Brexit-Auswirkungen für Aktienanleger

Veröffentlicht am 27. März 2019

Christopher Gannatti, CFA
Christopher Gannatti, CFA

Global Head of Research

Manchmal sind es gerade die wichtigsten Fragen, die am schwersten zu beantworten sind.

Für Menschen, die im vergangenen Jahr im Vereinigten Königreich lebten bzw. dort hinzogen oder Geschäfte betrieben, war die „Brexit-Frage“ ein wichtiger Aspekt. In den ersten Monaten 2019 gab es einige Termine, Abstimmungen und Ereignisse, die uns eine detaillierte Vorstellung davon vermitteln hätten sollen, was Brexit letztendlich bedeuten wird. Diese Erwartungen wurden jedoch nie erfüllt und es ist immer noch nicht klar, zu welchem Ergebnis der Brexit-Prozess führen wird.

Im Rahmen dieses Blogs wird es zwar nicht möglich sein, die Frage zu beantworten, wie der Brexit letztendlich aussehen wird, aber wir können europäischen Aktienanlegern möglicherweise mehr Kontext bereitstellen.

Frage 1: Wurden die Ergebnisse europäischer Unternehmen, die nicht im Vereinigten Königreich tätig sind, bisher vom Brexit-Prozess beeinträchtigt?

Unser Ansatz:

  • Ausgangspunkt ist das Anlageuniversum des MSCI Europe Investable Market Index (IMI) ohne Unternehmen des Vereinigten Königreichs.
  • Wir teilen die Unternehmen in zwei Gruppen ein: Unternehmen, die mehr als 30 % ihrer Umsätze im Vereinigten Königreich erzielen, und Unternehmen, bei denen diese Umsätze weniger als 30 % ausmachen.
  • Dann vergleichen wir die mittleren Renditen dieser Gruppen unter Berücksichtigung der Rendite des MSCI Europe Index, um eine Vorstellung von den Marktbedingungen in den jeweiligen Zeiträumen zu erhalten.

Unser Fazit:

  • Für die Zeiträume von 3 Monaten, 1 Jahr oder 2 Jahre nach dem Brexit-Referendum am 23. Juni 2016 konnten wir auf Grundlage des Kriteriums des erzielten Umsatzes im Vereinigten Königreich einen deutlichen Unterschied bei den mittleren Renditen der Unternehmen feststellen. In jedem Zeitraum führte ein geringerer Umsatz im Vereinigten Königreich zu höheren mittleren Renditen.
  • In den letzten Monaten im Jahr 2019 war der Unterschied zwischen den mittleren Renditen der Gruppen in Abbildung 1 auf Grundlage des Umsatzes im Vereinigten Königreich allerdings weniger deutlich.

Es mag zwar logisch erscheinen, dass der Brexit und der damit verbundene Prozess wichtig sind, aber der Brexit ist möglicherweise nicht der einzige Faktor, der die Renditen dieser Unternehmen beeinflusst. Deshalb warnen wir Anleger davor, ein komplexes Thema auf Basis einer einzigen Tabelle zu stark zu vereinfachen.

Abbildung 1: Sensitivität europäischer Unternehmen gegenüber Umsätzen im Vereinigten Königreich

Quellen: Factset, Bloomberg. Renditen werden in Lokalwährungen gemessen und nicht von Schwankungen der Wechselkurse beeinträchtigt. Unternehmen, für die Factset über keine regional aufgeschlüsselten Daten zum Umsatz verfügte, wurden von der Analyse ausgeschlossen. Für die Renditen der Gruppen mit > 30 % und < 30 % Umsatz wurde der Medianwert der Renditen der jeweiligen Aktien herangezogen, um die Auswirkungen von Ausreißern zu mindern. Folgende Zeiträume wurden untersucht: 23. Mai 2016 bis 23. Juni 2016; 23. Juni 2016 bis 23. September 2016; 23. Juni 2016 bis 23. Juni 2017; 23. Juni 2016 bis 23. Juni 2018; 29. September 2018 bis 26. Februar 2019; 31. Dezember 2018 bis 26. Februar 2019; 31. Dezember 2018 bis 31. Januar 2019; 31. Januar 2019 bis 26. Februar 2019.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Frage 2: Wurden die Renditen der Unternehmen im Vereinigten Königreich, die mehr Geschäfte mit der Eurozone betreiben, während des Brexit-Prozesses beeinträchtigt?

Unser Ansatz:

  • Ausgangspunkt ist das Anlageuniversum des MSCI United Kingdom Investable Market Index (IMI).
  • Wir teilen die Unternehmen in zwei Gruppen ein: Unternehmen, die mehr als 30 % ihrer Umsätze in der Eurozone erzielen, und Unternehmen, bei denen diese Umsätze weniger als 30 % ausmachen.
  • Dann vergleichen wir die mittleren Renditen dieser Gruppen unter Berücksichtigung der Rendite des MSCI United Kingdom Index, um eine Vorstellung von den Marktbedingungen während der jeweiligen Zeiträume zu erhalten.

Unser Fazit:

Es ist wichtig, die Entwicklung des britischen Pfunds in diesem Zeitraum zu berücksichtigen. Unternehmen, die mehr als 30 % ihrer Umsätze in der Eurozone erzielten, könnten zum Beispiel eine stärker global ausgerichtete Umsatzverteilung haben. Das weist auf das Potenzial für eine starke Performance in Zeiten hin, in denen das britische Pfund eher abwertet. Zu beachten ist Folgendes:

  • In den 3 Monaten nach dem Brexit-Referendum wertete das britische Pfund fast 13 % ab. Unternehmen, die geringere Umsätze in der Eurozone erzielten, schnitten in dieser Zeit besser ab als Unternehmen, die höhere Umsätze in der Eurozone erzielten.
  • In den Zeiträumen von 1 und 2 Jahren nach der Abstimmung entwickelte sich der britische Aktienmarkt im Allgemeinen gut. Die Unternehmen, die höhere Umsätze in der Eurozone erzielten, schnitten besser ab als die Unternehmen, die dort geringere Umsätze erzielten. Das heißt nicht unbedingt, dass Anleger die potenziellen Brexit-Sorgen außer Acht ließen. Wir gehen eher davon aus, dass die Abwertung des britischen Pfunds in diesen Zeiträumen der wichtigere Faktor war.

Die Differenzen zwischen den Renditen verkleinerten sich im dargestellten Zeitraum im Jahr 2019. Die mittleren Renditen im Februar zeigen allerdings, dass Unternehmen mit geringeren Umsätzen in der Eurozone eine Outperformance erzielten.

Abbildung 2: Sensitivität britischer Unternehmen gegenüber Umsätzen in der Eurozone

Quellen: Factset, Bloomberg. Renditen werden in Lokalwährungen gemessen und nicht von Schwankungen der Wechselkurse beeinträchtigt. Unternehmen, für die Factset über keine regional aufgeschlüsselten Daten zum Umsatz verfügte, wurden von der Analyse ausgeschlossen. Für die Renditen der Gruppen mit > 30 % und < 30 % Umsatz wurde der Medianwert der Renditen der jeweiligen Aktien herangezogen, um die Auswirkungen von Ausreißern zu mindern. Folgende Zeiträume wurden untersucht: 23. Mai 2016 bis 23. Juni 2016; 23. Juni 2016 bis 23. September 2016; 23. Juni 2016 bis 23. Juni 2017; 23. Juni 2016 bis 23. Juni 2018; 29. September 2018 bis 26. Februar 2019; 31. Dezember 2018 bis 26. Februar 2019; 31. Dezember 2018 bis 31. Januar 2019; 31. Januar 2019 bis 26. Februar 2019.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Frage 3: Wie groß war der Unterschied bei den Renditen zwischen Unternehmen, die mehr Umsätze im Vereinigten Königreich erzielten, und denen, die dort weniger Umsätze erzielten? Wenn davon ausgegangen wird, dass für die britische Wirtschaft aufgrund des Brexit-Prozesses die Gefahr eines Abschwungs besteht, dann könnten Unternehmen, die einen größeren Anteil ihres Umsatzes im Vereinigten Königreich erzielen, einem größeren Risiko unterliegen.

Unser Ansatz:

  • Ausgangspunkt ist das Anlageuniversum des MSCI United Kingdom IMI Index.
  • Wir teilen die Unternehmen in zwei Gruppen ein: Unternehmen, die mehr als 30 % ihrer Umsätze im Vereinigten Königreich erzielen, und Unternehmen, bei denen diese Umsätze weniger als 30 % ausmachen.
  • Dann vergleichen wir die mittleren Renditen dieser Gruppen unter Berücksichtigung der Rendite des MSCI United Kingdom Index, um eine Vorstellung von den Marktbedingungen während der jeweiligen Zeiträume zu erhalten.

Unser Fazit:

  • Es ist wichtig, die Entwicklung des britischen Pfunds in diesem Zeitraum zu berücksichtigen. Unternehmen, die weniger als 30 % ihrer Umsätze im Vereinigten Königreich erzielten, hatten zum Beispiel eine stärker global ausgerichtete Umsatzverteilung. Infolgedessen bergen sie das Potenzial für eine stärkere Performance in Zeiten, in denen das britische Pfund eher abwertet. Die Ergebnisse in Abbildung 3 umfassen 3 Zeiträume mit einer deutlichen Abwertung des britischen Pfunds nach dem Brexit-Referendum. Die mittleren Renditen der Aktien mit weniger als 30 % der Umsätze im Vereinigten Königreich verbuchten in diesen Zeiträumen eine Outperformance.
  • •In den Zeiträumen in Abbildung 3, in denen das britische Pfund nach dem Brexit-Referendum Stärke zeigte, schnitten die am stärksten auf den inländischen Markt ausgerichteten Unternehmen im Vereinigten Königreich bei den mittleren Renditen am stärksten ab.

Abbildung 3: Sensitivität britischer Unternehmen gegenüber Umsätzen im Vereinigten Königreich

Quellen: Factset, Bloomberg. Renditen werden in Lokalwährungen gemessen und nicht von Schwankungen der Wechselkurse beeinträchtigt. Unternehmen, für die Factset über keine regional aufgeschlüsselten Daten zum Umsatz verfügte, wurden von der Analyse ausgeschlossen. Für die Renditen der Gruppen mit > 30 % und < 30 % Umsatz wurde der Medianwert der Renditen der jeweiligen Aktien herangezogen, um die Auswirkungen von Ausreißern zu mindern. Folgende Zeiträume wurden untersucht: 23. Mai 2016 bis 23. Juni 2016; 23. Juni 2016 bis 23. September 2016; 23. Juni 2016 bis 23. Juni 2017; 23. Juni 2016 bis 23. Juni 2018; 29. September 2018 bis 26. Februar 2019; 31. Dezember 2018 bis 26. Februar 2019; 31. Dezember 2018 bis 31. Januar 2019; 31. Januar 2019 bis 26. Februar 2019.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse und der Wert von Anlagen kann fallen.

Wir halten diese zusammenfassenden Statistiken zwar für interessant und beachtenswert, aber sie vermitteln kein vollständiges Bild der Brexit-Auswirkungen.

Derzeit wissen wir immer noch nicht, was der Brexit wirklich bedeuten wird. Außerdem gelten unterschiedliche Kostenstrukturen und Risiken für die einzelnen Unternehmen und dies kann die Auswirkungen verändern, sobald mehr konkretere Details über die Brexit-Situation bekannt werden.

Der regionale Umsatz ist eine wichtige Kennzahl, aber wir möchten darauf hinweisen, dass es sich dabei nicht um die einzige zu berücksichtigende Kennzahl handelt.

Über den Autor

Christopher Gannatti, CFA
Christopher Gannatti, CFA

Global Head of Research

Christopher Gannatti leitet das globale Researchteam von WisdomTree und bringt umfangreiche Erfahrungen in das Unternehmen ein. Seit seinem Eintritt im Dezember 2010 ist Chris Gannatti durch die Ränge aufgestiegen, bis er 2021 das Ruder übernahm. Angesichts seiner globalen Zuständigkeit hat er eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Initiativen von WisdomTree in den USA und in Europa gespielt. Sein Fachwissen liegt in den Themenbereichen Aktien und Technologie mit dem Schwerpunkt auf Storytelling und strategischen Einblicken. Er ist in den USA ansässig und arbeitet eng mit dem globalen CIO Jeremy Schwartz zusammen. Vor seinem Eintritt bei WisdomTree war Chris Gannatti bei Lord Abbett als Regional Consultant tätig und arbeitete mit Finanzberatern im Mittleren Westen. Er hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften der Colgate University und einen MBA der NYU Stern School of Business mit den Schwerpunkten Quantitative Finanzwissenschaft, Rechnungswesen und Wirtschaftswissenschaften. Außerdem ist er CFA-Charterholder. Als echter Visionär ist Chris Gannatti für sein Vordenken und seine Fähigkeit, komplexe Strategien effektiv zu vermitteln, bekannt.

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