
Ist die Zeit für BioTech gekommen?
Veröffentlicht am 13. Dezember 2023
Global Head of Research
Ist die Zeit für BioTech gekommen?
Kaum ein Bereich hat in den letzten drei Jahren eine so schwache Performance gezeigt wie Aktien aus dem Sektor Biotechnologie. Manchmal lohnt es sich, in den Bereichen, die zuletzt am schlechtesten abgeschnitten haben, nach Chancen zu suchen.
- Der S&P Biotechnology Select Industry Index verzeichnete in den Jahren 2021 und 2022 eine Rendite unterhalb von -10 %. Wenn man bedenkt, dass ein Großteil des Jahres 2023 bereits verbucht ist (bis zum 24. November 2023), könnte 2023 das dritte volle Jahr in Folge sein, in dem sich diese Entwicklung wiederholt. In den letzten zehn Jahren wies diese Gruppe von Aktien eine hohe Volatilität auf, aber eine derart negative Rendite in drei aufeinanderfolgenden Jahren ist außergewöhnlich.
- Um diesen Abwärtstrend in einen Zusammenhang zu setzen: Bei einer Investition von 100 USD Ende 2020 hätte ein einfaches Halten bei diesen Renditen zum Marktschluss am 24. November 2023 gut 52 USD übrig gelassen. Natürlich haben wir ausführlich über die makroökonomischen Herausforderungen geschrieben, die dazu beitragen. Dennoch müssen wir anerkennen, dass BioTech ein wichtiger Wirtschaftszweig ist, der wahrscheinlich auch nicht verschwinden wird. Wir könnten uns in einer Situation befinden, in der einfach „weniger negative“ Nachrichten zu einem Aufschwung beitragen könnten.
- Selbst 2008 konnten wir nichts Vergleichbares wie in den letzten knapp drei vollen Kalenderjahren beobachten.
Abbildung 1: Kalenderjahresrenditen für den S&P Biotechnology Select Industry Index (31. Dezember 2006 bis 24. November 2023)

Quelle: https://www.spglobal.com/spdji/en/indices/equity/sp-biotechnology-select-industry-index/#overview Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.
Das Schöne an einem „Katalysator“
Manchmal handeln thematische Strategien auf der Grundlage makroökonomischer Entwicklungen, z. B. wenn sich die Bewertungen in einem Umfeld höherer Zinsen nach unten korrigieren. Die alleinige Betrachtung der Makrodaten geht jedoch an der Kernstory vorbei, die thematischen Investments zugrunde liegt: Diese Unternehmen ergründen bestimmte Chancen, um potenziell transformatives Wachstum zu erschließen. Auch wenn es sich um ein risikoreiches Unterfangen handelt, ist es kein Unterfangen von 0 %.
Wir konnten gerade beobachten, wie ChatGPT, das im November 2022 eingeführt wurde, zu einem starken Jahr 2023 für künstliche Intelligenz (KI) beigetragen hat, obwohl der Anstieg der Zinssätze von historischer Dimension war. KI-Titel widersetzten sich dem allgemeinen makroökonomischen Trend.
Was wird der nächste Katalysator für BioTech sein?
CRISPR steht für „clustered regularly interspaced short palindromic repeats“ (regelmäßig verteilte kurze palindromische Wiederholungen). Damit lässt sich DNA an bestimmten Punkten präzise schneiden, die dann auf ganz bestimmte Merkmale ausgerichtet werden könnten. Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier erhielten 2020 den Nobelpreis für Chemie für ihre Arbeit zu diesem Thema. Aber wir müssen auch bedenken, dass:
- Die Arbeiten von Doudna und Charpentier zum Präzisions-Gen-Editing 2012, also vor mehr als elf Jahren, durchgeführt wurden.
- Die Verleihung des Nobelpreises inzwischen über drei Jahre zurückliegt.
- Auch wenn das CRISPR-Konzept verstanden wird, wir noch kein globales Netz von CRISPR-basierten Therapien haben, auf das Menschen auf der ganzen Welt routinemäßig über ihre Gesundheitsdienstleister zugreifen.
ChatGPT wurde im November 2022 eingeführt. Innerhalb eines Jahres entwickelten Unternehmen mit großen Produktivitätsplattformen (Alphabet, Microsoft) ein Angebot, das auf breiter Basis erworben werden konnte. Es zeigt einen wichtigen Unterschied im Tempo, wenn man bedenkt, dass die Einführung von CRISPR viel länger dauert. Die klinische Forschung ist streng geregelt, es werden viele Tests durchgeführt und es sind zahlreiche Hürden zu überwinden.
Während wir uns wahrscheinlich alle einig sind, dass es wichtig ist, dass der Standard für die Freigabe einer medizinischen Behandlung mit der Fähigkeit, die Gene einer Person zu beeinflussen, viel höher ist als der für die Freigabe eines Softwareprogramms, besteht die Herausforderung für thematische Anleger darin, unterschiedliche Geschäftsmodelle und Produktentwicklungen zu navigieren. Der Wechsel von der Analyse der Freigabe und Nutzung generativer KI-Software zur Betrachtung von CRISPR-Therapien erfordert fortschrittlichste Gedankenarbeit und die Steuerung von Erwartungen.
Voraussichtlich Ende Dezember 2023 wird die FDA eine weitere Gentherapie für die Sichelzellkrankheit zulassen, und zwar die von Bluebird Bio, die eine Methode verwendet, bei der neue DNA in das Genom eingefügt wird2.
Wenn wir den Weg der Entdeckung und alle nötigen Schritte, um an diesen Punkt zu gelangen, berücksichtigen, sind diese Entwicklungen äußerst spannend. Allerdings sind wir wahrscheinlich noch weit davon entfernt, CRISPR-Therapien in großem Maßstab einzusetzen. Patienten kommen nur dann in Betracht, wenn sie andere mögliche Therapien erfolglos durchlaufen haben. Hinzu kommt, dass die Kosten für die Behandlung extrem hoch sind und das erforderliche Fachwissen zumindest anfangs nicht in jedem Krankenhaus vorhanden ist.
Zusammenlaufen von Innovationen
Dennoch kann die Aussicht auf die Zusammenführung von Technologien den Lernprozess in der Biotechnologie beschleunigen. KI und die Zunahme von Modellen, die Wissenschaftlern bei der Entdeckung neuer Medikamente helfen, dürften das künftige Innovationspotenzial fördern.
1 Quelle: Kolata, Gina. „Sickle-Cell Treatment Created with Gene Editing Wins U.K. Approval.“ The New York Times. 20. November 2023.
2 Quelle: Kolata, 20. November 2023.
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Über den Autor

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Christopher Gannatti leitet das globale Researchteam von WisdomTree und bringt umfangreiche Erfahrungen in das Unternehmen ein. Seit seinem Eintritt im Dezember 2010 ist Chris Gannatti durch die Ränge aufgestiegen, bis er 2021 das Ruder übernahm. Angesichts seiner globalen Zuständigkeit hat er eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Initiativen von WisdomTree in den USA und in Europa gespielt. Sein Fachwissen liegt in den Themenbereichen Aktien und Technologie mit dem Schwerpunkt auf Storytelling und strategischen Einblicken. Er ist in den USA ansässig und arbeitet eng mit dem globalen CIO Jeremy Schwartz zusammen. Vor seinem Eintritt bei WisdomTree war Chris Gannatti bei Lord Abbett als Regional Consultant tätig und arbeitete mit Finanzberatern im Mittleren Westen. Er hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften der Colgate University und einen MBA der NYU Stern School of Business mit den Schwerpunkten Quantitative Finanzwissenschaft, Rechnungswesen und Wirtschaftswissenschaften. Außerdem ist er CFA-Charterholder. Als echter Visionär ist Chris Gannatti für sein Vordenken und seine Fähigkeit, komplexe Strategien effektiv zu vermitteln, bekannt.

