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Bieten AT1-CoCos im Jahr 2025 eine attraktive Anlagechance?

Veröffentlicht am 5. Dezember 2024

Ayush Babel
Ayush Babel

Director, Quantitative Research

Prof. Wim Schoutens
Prof. Wim Schoutens

Professeur à l’Université de Louvain, en Belgique

Die wichtigsten Erkenntnisse

Viele Anleger bewerten ihre Portfolios mit Blick auf 2025 neu. Dabei stellt sich eine Frage immer wieder: Sind AT1-Anleihen (Contingent Convertibles) eine kluge Anlageoption für das kommende Jahr? AT1-Bonds, die für ihre hohe Rendite bekannt sind, sind hybride Wertpapiere, die Banken zur Stärkung ihrer Kapitalbasis ausgeben. Diese Anleihen bieten höhere Zinsen, sind aber auch mit gewissen Risiken verbunden. Daher können sie eine attraktive, wenn auch komplexe Anlagemöglichkeit darstellen. Lassen Sie uns untersuchen, warum AT1-Anleihen im Jahr 2025 genauer ins Visier genommen werden sollten.

1. Höhere Zinsen begünstigen den Bankensektor

Zentralbanken rund um den Globus haben in den letzten Jahren die Leitzinsen zur Bekämpfung der Inflation und zur Stabilisierung der Finanzmärkte angehoben. Zwar stellten die hohen Zinsen manche Sektoren – und vor allem viele Emittenten von High-Yield-Anleihen – vor Herausforderungen, doch der Bankensektor profitierte im Großen und Ganzen. Banken erzielen Gewinne durch die Zinsspanne, d. h. die Differenz zwischen den Zinsen, die sie für Einlagen zahlen, und den Zinsen, die sie für Kredite verlangen. Bei höheren Zinsen vergrößert sich diese Spanne, sodass die Banken mehr für Kredite im Vergleich zu den Einlagenzinsen berechnen können, was wiederum ihre Zinserträge steigert.

Mit Blick auf die Zukunft gehen viele Analysten davon aus, dass die Zinsen auf einem hohen Niveau bleiben werden und dass es unwahrscheinlich ist, dass sie wieder das Niveau der letzten Jahre von nahe null erreichen. Denn viele Länder des Westens haben sich stark verschuldet, insbesondere nach den wirtschaftlichen Turbulenzen der letzten Krisen. Um diese Schuldenlast in den Griff zu bekommen, ist eine gewisse Inflation sogar von Vorteil, da sie dazu beiträgt, den realen Wert der Schulden im Laufe der Zeit zu verringern. Allerdings erfordert die Inflation höhere Zinsen. Dadurch entsteht ein Umfeld, in dem Zentralbanken geneigt sein könnten, die Zinsen auf absehbare Zeit über den langjährigen Tiefstständen zu halten. Diese Perspektive unterstützt die Aussichten auf eine anhaltend gute Rentabilität im Bankensektor, da Banken noch immer von größeren Zinsspannen profitieren, was die Attraktivität von AT1-Anleihen weiter steigert.

Für Anleger ist diese Dynamik von entscheidender Bedeutung. Die verbesserte Rentabilität des Bankensektors aufgrund höherer Zinsen unterstützt die finanzielle Gesundheit des Bereichs und indirekt auch die Stabilität der von diesen Instituten ausgegebenen AT1-Anleihen. Das Umfeld mit hohen Zinsen stärkte vor allem die Eigenkapitalrenditen der Banken, da höhere Zinsmargen die Widerstandsfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle untermauerten. Daher sind AT1-CoCos, die von der Finanzkraft der emittierenden Bank abhängen, potenziell sicherere Anlagen.

2. Gesunde CET1-Quoten erhöhen die Sicherheit von AT1-Anleihen

Eine Möglichkeit, die Finanzkraft einer Bank zu beurteilen, ist die Betrachtung der CET1-Quote (Common Equity Tier 1 bzw. hartes Kernkapital). Diese Kennzahl misst das Kernkapital einer Bank im Verhältnis zu ihren risikogewichteten Aktiva und gibt Aufschluss über ihre Fähigkeit, wirtschaftlichen Belastungen standzuhalten. In den letzten Jahren blieben die CET1-Quoten im Bankensektor selbst in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen im Allgemeinen solide. Inhabern von AT1-Anleihen dienen hohe CET1-Quoten als Puffer, der die Wahrscheinlichkeit negativer Ereignisse wie Kuponausfälle oder Abschreibungen von Anleihen verringert.

Dank dieser soliden Kapitalausstattung sind CoCos sicherer, vor allem angesichts der drohenden wirtschaftlichen Ungewissheit. Anlegern in AT1-Anleihen könnten stabile CET1-Quoten ein geringeres Risiko von Kapitalverlusten und einen stabileren Einkommensstrom bieten – beides wichtige Faktoren auf den unbeständigen Märkten von heute.

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Quelle: WisdomTree, Markit, Bloomberg, Finanzergebnisse der jeweiligen Emittenten. Daten vom 30. September 2024. Die CET1-Veränderung stellt die Wertveränderung der CET1-Quoten von den zum 30. September 2024 verfügbaren Daten (in der Regel die für das zweite Quartal 2024 verfügbaren Daten) im Vergleich zu den letzten zum 30. Juni 2024 verfügbaren Daten (in der Regel die für das erste Quartal 2024 verfügbaren Daten) dar. Keine Veränderung kann bedeuten, dass der Berichtszyklus noch nicht beendet ist. Die CET1-Quote ist die harte Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1, unter Annahme einer vollständigen Umsetzung), die auf Bloomberg bzw. – falls die Daten nicht auf Bloomberg sind – in den letzten Finanzergebnissen des Emittenten verfügbar ist. Das maximale Auslöseniveau entspricht dem maximalen Trigger, der bei allen CoCo-Emissionen eines bestimmten Emittenten beobachtet wurde. Die Strategie wird durch den iBoxx Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1 Index abgebildet. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.

3. Regulatorische Klarheit nach dem Vorfall bei der Credit Suisse

Einer der entscheidenden Wendepunkte für Anleger in AT1-CoCos war die Krise bei der Credit Suisse. Während dieses Ereignisses sahen sich die Inhaber von AT1-Anleihen mit noch nie dagewesenen Verlusten konfrontiert, da die Anleihen der Credit Suisse auf null abgeschrieben wurden, um die Bank angesichts einer schweren finanziellen Notlage zu stabilisieren. Für Anleger in AT1-Wertpapieren war dies ein Schock, da die Schweizer Aufsichtsbehörde entgegen der allgemeinen Annahme die Wasserfallstruktur nicht respektierte.

Obwohl dies eine schwierige Phase für die Anleihegläubiger der Credit Suisse war, gab es für den Markt einen Silberstreif am Horizont. Der Vorfall bei der Credit Suisse veranlasste die Regulierungsbehörden der EU und des Vereinigten Königreichs, einzugreifen und die Bedingungen zu klären, unter denen AT1-Bonds abgeschrieben oder umgewandelt werden können. Heute sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für AT1-Anleihen klarer denn je: In der EU und im Vereinigten Königreich werden CoCo-Bonds nicht abgeschrieben, während das Eigenkapital erhalten bleibt. Diese größere Transparenz trägt zur Stabilisierung des Marktes für AT1-Anleihen bei, schafft ein berechenbareres Umfeld für Anleger und macht AT1-Anleihen möglicherweise zu einer sichereren Anlage als vor der Krise bei der Credit Suisse. Und schließlich ist es in der EU, in der 27 Länder an einem Tisch sitzen, nicht sehr wahrscheinlich, dass in nur wenigen Tagen ein Gesetz geändert oder Änderungen beschlossen werden, wie es bei diesem „schwarzen Schwan“ der Fall war.

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Quelle: iBoxx, WisdomTree. Daten vom 30. September 2024. Wertentwicklung des iBoxx Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1 Index in USD. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.

4. Ein gesünderer Bankensektor als in den vergangenen Jahren

Interessanterweise befindet sich der Bankensektor heute in einer weitaus stärkeren Position als vor knapp acht Jahren, obwohl sich die aktuellen Spreads für AT1-Anleihen in einer ähnlichen Größenordnung bewegen wie damals. Vor zehn Jahren wurde die Finanzwelt von einer Staatsschuldenkrise erschüttert, die mehrere europäische Länder in ernste finanzielle Schwierigkeiten brachte. Zu dieser Zeit waren Banken noch nicht so gut mit Kapital ausgestattet und es herrschte nur wenig aufsichtsrechtliche Klarheit über Instrumente wie AT1-Anleihen.

Heute sind Banken weitaus widerstandsfähiger, verfügen über wesentlich größere Kapitalpuffer und ein robusteres Risikomanagement. Auch die Regulierungsaufsicht ist deutlich besser. Es bestehen klarere Leitlinien für die Behandlung von AT1-Anleihen, zudem wurde die Stabilität des Bankensektors insgesamt erhöht. In Anbetracht dieses stärkeren Fundaments sind AT1-Anleihen nun von Instituten in einer solideren Finanzlage abgesichert, zugleich sind die aufsichtsrechtlichen Schutzmechanismen besser vorhersehbar. Für Anleger ergibt sich daraus ein potenziell geringeres Risiko im Vergleich zu ähnlichen Investitionen, die noch vor einigen Jahren getätigt wurden.

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Quelle: WisdomTree, iBoxx und Bloomberg. Vom 1. Oktober 2015 bis zum 30. Oktober 2024. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.

5. Starke Nachfrage und Überzeichnung bei den letzten Emissionen

Ein weiterer bemerkenswerter Trend auf dem Markt für AT1-Anleihen ist der sprunghafte Anstieg der Neuemissionen in letzter Zeit, der auf eine hohe Nachfrage und Überzeichnung gestoßen ist. Diese hohe Nachfrage deutet darauf hin, dass der Appetit der Anleger auf AT1-Anleihen groß ist. Das wiederum ist wahrscheinlich auf die attraktiven Renditen und die heute als stabil wahrgenommene Lage des Bankensektors zurückzuführen. Überzeichnungen an den Finanzmärkten sind häufig ein positiver Indikator, der das Vertrauen der Anleger sowohl in die emittierenden Institute als auch in die Anlageklasse selbst widerspiegelt.

Für Anleger ist die Überzeichnung der jüngsten AT1-Emissionen ein deutliches Zeichen dafür, dass der Markt AT1-Bonds derzeit als attraktive Anlage betrachtet. Diese Nachfrage kann auch die Liquidität von AT1-Anleihen fördern – möglicherweise ein zusätzlicher Vorteil für Anleger, die bei der Verwaltung ihrer Portfolios auf Flexibilität bedacht sind.

Abschließende Gedanken

AT1-CoCos könnten im Jahr 2025 eine attraktive Anlagechance bieten. Sie profitieren von hohen Zinsen, die den Bankensektor begünstigen, von soliden CET1-Quoten, von größerer regulatorischer Klarheit nach dem Vorfall bei der Credit Suisse sowie von einer starken Nachfrage, wie die jüngste Überzeichnung von Neuemissionen zeigt. Darüber hinaus ist der Bankensektor heute in einer viel besseren Verfassung als noch vor zehn Jahren, als die Ungewissheit in Bezug auf regulatorische Rahmenbedingungen und die Staatsschuldenkrise große Herausforderungen darstellten. Aufgrund dieser Faktoren tendierten die Spreads in den letzten 20 Monaten nach unten. Trotzdem gehen wir davon aus, dass es angesichts der genannten Faktoren zu einer weiteren Verengung kommen wird.

Für Anleger mit einer gewissen Risikotoleranz und dem Wunsch nach hohen Renditen könnten AT1-Anleihen im Jahr 2025 eine vielversprechende Investmentchance darstellen, auch wenn Diversifikation obenan stehen sollte. Der WisdomTree AT1 CoCo Bond UCITS ETF (COCB) bildet den iBoxx Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1 Index ab. Dieser Index verfolgt einen breiten Marktansatz und wendet dabei strenge Liquiditäts- und Ratingkriterien an. Er umfasst alle wichtigen Währungen, in denen CoCos in Europa ausgegeben werden – d. h. USD, GBP und EUR – und bietet somit ein diversifiziertes Engagement.

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Quelle: WisdomTree, Markit. Daten vom 30. September 2024. Die Strategie wird durch den iBoxx Contingent Convertible Liquid Developed Europe AT1 Index abgebildet. Die Aufschlüsselung basiert auf den Indexgewichten der zugrunde liegenden CoCos. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Die historische Wertentwicklung ist kein Hinweis auf die künftige Wertentwicklung, und Anlagen können im Wert sinken.

Über die Autoren

Ayush Babel
Ayush Babel

Director, Quantitative Research

Ayush Babel ist Director im Multi-Asset- und Quantitative-Research-Team sowie im Index-Research-Team von WisdomTree. In dieser Funktion konzentriert er sich auf die Entwicklung innovativer quantitativer Strategien in verschiedenen Anlageklassen und unterstützt die vielfältige Produktsuite von WisdomTree. Seine Fachgebiete umfassen Faktoranalyse, Portfoliokonstruktion und -optimierung sowie Produktentwicklung. Ayush Babel verfügt über beinahe zehn Jahre Erfahrung im Bereich der Finanzdienstleistungen und hatte Positionen in Investment-Research-Teams bei J.P. Morgan und Franklin Templeton inne. Bei diesen Instituten war er für die Entwicklung und Verwaltung von Smart-Beta-Produkten für Aktien und Anleihen sowie von anlagenübergreifenden Produkten mit Risikoprämien für globale institutionelle und private Anleger zuständig. Seine Erfahrung erstreckt sich auf zahlreiche Anlageklassen und Anlagestile. Ayush Babel besitzt einen Bachelor- und einen Master-Abschluss in technischer Physik und Nanowissenschaft vom Indian Institute of Technology in Bombay.

Prof. Wim Schoutens
Prof. Wim Schoutens

Professeur à l’Université de Louvain, en Belgique

Wim Schoutens ist Professor an der Universität von Leuven, Belgien. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung im Bereich des quantitativen Finanzwesens und des Risikomanagements und ist für seine Beratungstätigkeit für den Bankensektor sowie für nationale und supranationale Institutionen sehr geschätzt. Wim Schoutens ist unabhängiger Sachverständiger der Europäischen Kommission, hat für den IWF gearbeitet und ist Autor mehrerer Bücher über quantitatives Finanzwesen und Contingent Convertible Bonds (CoCos). Er ist außerdem Redakteur mehrerer wissenschaftlicher Fachzeitschriften und Chefredakteur der Zeitschriften „Review of Derivatives Research“ und „Frontiers of Mathematical Finance“.

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